Wo bis vor Kurzem noch Tattoos gestochen wurden, kommen jetzt Red Bull, Fruchtgummi und Feldschlösschen aus der Wand: Auf der Louisenstraße hat ein „Vendys“ eröffnet. Der Shop ist rund um die Uhr geöffnet – und hat von sauren Drachenzungen bis Drehtabak einiges auf Lager.

Seit dem 18. September steht in der Louisenstraße der vierte Laden der Kette – und der erste in der Neustadt. Dahinter stecken Gründer Walter Bersch, der die Geräte aufstellt, und sein Freund Robert Mattes. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, Mattes übernimmt den Laden als zweiter Franchise-Partner. Nach dem Hirsch und dem Snack-O-Mat ist Vendys nun schon der dritte Selbstbedienungsladen dieser Art im Viertel. Die Neustadt automatisiert sich.
Fruchtgummi, Feldschlösschen, Fuffziger
Rund 160 Produkte hängen nach Angaben der Betreiber in der Neustadt-Filiale. Der Schwerpunkt liegt auf Getränken, Snacks und Mystery-Packs – bei Letzteren weiß man vorher eben nicht so genau, was man bekommt. Dazu kommen Kondome, Sextoys, CBD-Produkte, Vapes und Drehtabak, ein Kippenautomat steht daneben.
„Das meistverkaufte Produkt sind tatsächlich saure Drachenzungen“, sagt Bersch. Aber auch Kinder-Schokobons und der Klassiker Red Bull werden gut nachgefragt.
Bersch setzt auf Großpackungen zum Discountpreis. So kostet die 128-Gramm-Packung M&M’s 3,50 Euro. Die Halbliterdose Feldschlösschen gibt’s für 2 Euro, Pfand inklusive. Bis zu zehn Artikel lassen sich auf einmal kaufen und landen zunächst in einem digitalen Warenkorb. Danach fällt die Beute ins Ausgabefach.
Bei Tabak, Vapes und Alkohol ist Schluss mit der schrankenlosen Selbstbedienung: Alles gibt es erst ab 18 Jahren. Dafür muss man sich mit dem Ausweis freischalten.
Dreimal die Woche neu bestückt
Dreimal pro Woche wird nachgefüllt, berichtet Mattes. Über alle Filialen hinweg hat Bersch nach eigenen Angaben bis zu 700 verschiedene Produkte im Umlauf. Und er will weiter wachsen: Bis Ende 2027 soll der zehnte Vendys eröffnen. Auch bei der einen Neustadt-Filiale muss es nicht bleiben, weitere Standorte sind denkbar.
Und wie läuft’s an der Louisenstraße? „Es läuft so an, wie gedacht“, sagt Mattes. Der Laden müsse sich nun etablieren.
Platz für noch mehr wäre jedenfalls vorhanden. Eine Wand ist bislang frei. Dort würde Bersch gern, wie schon in Pieschen, einen Boxautomaten aufstellen. Wenn der Hunger auf Drachenzungen, Bier und Mystery-Packs größer wird, könnte außerdem eine zweite Reihe Verkaufsgeräte folgen.
Und weil selbst der Gang zum Laden offenbar noch digitaler werden kann, denkt Bersch bereits über eine App nach. Darin soll man vorab sehen können, welche Produkte gerade verfügbar sind. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Vendys
- Louisenstraße 31, 01099 Dresden
- www.vendys24.de

























Etwas mehr Auswahl bei alkoholischen Getränken wäre eine Abwechslung zum sonst üblichem Angebot, aber grundsätzlich eine tolle Sache.
@Monsieur Calvin Candie Ist es nicht!
@DD Hecht- Bewohner
Ich stimme voll und ganz zu.
Dies macht kleiner Läden und somit Stadtviertel kaputt.
@Anonym
Um ein Stadtviertel zu zerstören, müsste es zunächst einmal funktionieren. Oder meinen Sie Vandalismus? Der geht tatsächlich weitgehend von allein.
Ein Laden, der vielleicht nicht jeden anspricht, aber immerhin einen Leerstand reduziert, ist grundsätzlich erst einmal eine gute Sache. Ob sich das Konzept dauerhaft trägt, entscheiden am Ende Angebot und Nachfrage.
Bei der angeblichen „Zerstörung kleiner Läden“ würde mich allerdings interessieren, welche konkret gemeint sind. Die Dönerrestaurants oder die Barbiere? Ein besonders vielfältiger Einzelhandelsstandort ist die Neustadt schließlich schon länger nur noch bedingt.
@Monsieur Calvin Candie:
die kleinen Spätis und Tante Emma Läden, die alle zu kämpfen haben zum Beispiel. Läden in denen soziales Miteinander passiert.
Automaten Läden machen doch gerade in der Neustadt keinen Sinn, weil es ein so breites Angebot an Spätis gibt. Platziert die Läden doch in Randgebieten, Stadtteilen mit keinen Spätis oder ganz verrückt auf dem Dorf – dort wo es v.a. mobilitätseingeschränkte Menschen wirklich brauchen.
@Neustädterin
Dass zusätzliche Konkurrenz bei bestehenden Händlern selten Jubel auslöst, dürfte klar sein. Konkurrenz belebt aber nun einmal das Geschäft und wenn es, wie Sie selbst schreiben, in der Neustadt ein breites Angebot an Spätis gibt, scheint die Nachfrage dafür ja grundsätzlich vorhanden zu sein. Man sollte außerdem die konkrete Gewerbeeinheit betrachten. Bei dieser Größe dürfte die Zahl sinnvoller alternativer Nutzungen überschaubar sein. Und auch beim „sozialen Miteinander“ würde ich nicht automatisch von den eigenen Vorlieben auf alle anderen schließen. Es gibt durchaus Menschen, die ein sauberes, aufgeräumtes und modernes Ladenkonzept einem bis unter die Decke zugestellten Warenlager vorziehen. Und nicht jeder möchte beim Kauf von Getränken oder Snacks zwingend soziale Kontakte pflegen, erst recht nicht mit jedem Teil des Publikums, das sich zu später Stunde gern vor manchen Spätis versammelt.
Der Hinweis auf Stadtrand und Dorf klingt zunächst sympathisch, funktioniert wirtschaftlich aber leider andersherum. Wo ausreichend Nachfrage besteht und Menschen bereit sind, für ein Angebot Geld auszugeben, finden sich normalerweise auch Händler. Wenn solche Konzepte dort bislang kaum entstehen, dürfte das eher darauf hindeuten, dass sie sich wirtschaftlich nicht tragen.
Wenn die Menschen lieber beim Späti kaufen und dort das soziale Miteinander genießen möchten, werden sie das weiterhin tun. Wenn sie Vendys bevorzugen, offenbar auch. Warum ausgerechnet diese Entscheidung nicht den Kunden überlassen werden sollte, erschließt sich mir nicht.
Na mal sehen, wenn das erste Automatencafé aufmacht oder eine Automatenkneipe, wo man dann direkt aus’m Hahn saufen kann.
@zwön: Die werden dann auch mit Bedienung sein, allerdings keine Menschen. Außer Arni verhindert es und terminiert die alle im Hochofen ;)
@Monsieur Calvin Candie:
ich finde, dass Spätis auch eine Art Straßenarbeit übernehmen und das sollte man nicht mit „Angebot und Nachfrage“ runterreden. Vor den Automatenläden können sich die Leute übrigens auch ungestörter zu späterer Stunde aufhalten ohne dass jemand aus dem Laden einen Blick auf die hat.
Auf den Dörfern machen immer mehr Geschäfte zu, weil natürlich die Nachfrage fehlt und die Personalkosten wahrscheinlich dann zu hoch sind. Aber genau das ist ja der Vorteil dieser Automatenläden und es gibt auch einige ähnliche Pilotprojekte auf dem Land, die sowas probieren. Dort wird es wirklich gebraucht. Die Menschen die dort leben, brauchen auch Möglichkeiten zum Einkaufen, vor allem die die nicht so mobil unterwegs sind. Die Läden zu schließen und die Leute 20km ins nächste Dorf fahren zu lassen, ist denke ich keine Lösung für alle, nur für welche mit Auto.
Aber klar, der Markt regelt das schon.
Mich würde in diesem konkreten Fall interessieren, wie „Konkurrenz aber nun einmal das Geschäft belebt“.