Museum für Sächsische Volkskunst im Jägerhof

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Mitten in der Inneren Neustadt steht ein Haus, das mehr überstanden hat als die meisten seiner Nachbarn: Jagdgesellschaften, Bärenhaltung, Kavallerie, Bombennacht – und heute hängen geschnitzte Nussknacker und Klöppelspitze an den Wänden. Ein Besuch im ältesten Baudenkmal der Neustadt.

Jägerhof an der Köpckestraße, Ecke Sarrasanistraße - Foto: Archiv/Anton Launer
Jägerhof an der Köpckestraße, Ecke Sarrasanistraße – Foto: Archiv/Anton Launer

Erst Jägerei mit Bären, dann Militär

Bevor hier Trachten und Truhen ausgestellt wurden, stand hier an der heutigen Köpckestraße ein vierflügeliger Renaissancebau. Kurfürst August von Sachsen, dem die Festung auf der anderen Elbseite offenbar zu eng für seine Hobbys war, verlegte 1568 seine Jägerei nach Altendresden und ließ ab 1569 die Burg errichten. 1654 sollen dort 40 Bären gelebt haben – man stelle sich das heute als Nachbarschaft vor.

So stellte man sich im 19. Jahrhundert die Jagd im 18. Jahrhundert im Jägerhof vor. Einzelblatt aus der Publikation "Abbildungen von Dresdens alten und neuen Pracht-Gebäuden, Volks- und Hof-Festen. Kupferheft zur Chronik der Kgl. Sächs. Residenz-Stadt Dresden und des Sammlers für Geschichte und Alterthum, Kunst und Natur im Elbthale." Dresden 1835.
So stellte man sich im 19. Jahrhundert die Jagd im 18. Jahrhundert im Jägerhof vor. Einzelblatt aus der Publikation „Abbildungen von Dresdens alten und neuen Pracht-Gebäuden, Volks- und Hof-Festen. Kupferheft zur Chronik der Kgl. Sächs. Residenz-Stadt Dresden und des Sammlers für Geschichte und Alterthum, Kunst und Natur im Elbthale.“ Dresden 1835.

Um 1830 wurde das königliche Privatvermögen vom Staatsbesitz getrennt. Der Jägerhof gehörte fortan dem Königreich Sachsen. Mit dem früheren Prachtgebäude ging es fortan bergab: Kavalleriekaserne, Straßenbahnhof, zwischenzeitlich sogar Armenhaus. Von der ursprünglichen Anlage blieb nur der Westflügel übrig. Am Südgiebel wacht bis heute ein Konsolstein von 1617 mit dem kursächsischen Wappen über die Vergangenheit des Hauses, und vor der Tür steht eine Sandstein-Kopie des Jägers mit Hund von Hans Thiele – die Originale kann man im Foyer bewundern.

Jäger mit Horn und Hund vor dem Volkskunstmuseum - Foto: Archiv/Anton Launer
Jäger mit Horn und Hund vor dem Volkskunstmuseum – Foto: Archiv/Anton Launer

Ein Professor rettet, was fast verloren war

Dass aus der Ruine ein Museum wurde, ist vor allem Oskar Seyffert zu verdanken. Der Professor an der Königlichen Kunstgewerbeschule gründete 1897 den Verein für Sächsische Volkskunde, sammelte fleißig Trachten, Schnitzereien und Hausrat aus ganz Sachsen und lagerte sie zunächst notdürftig im Palais im Großen Garten und im Japanischen Palais. Als der vom Abriss bedrohte Jägerhof in sein Visier geriet, schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe: Rettung fürs Gebäude, Zuhause für die Sammlung. Zwischen 1911 und 1913 ließ er sanieren, am 6. September 1913 wurde das Museum im Beisein von König Friedrich August III. eingeweiht, zwei Tage später öffnete das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst mit rund 8.000 Stücken für die Öffentlichkeit. (Neustadt-Geflüster vom 3. November 2021)

Die Luftangriffe vom 13. Februar 1945 ließen die beiden oberen Stockwerke ausbrennen, rund 15 Prozent der Bestände gingen verloren – der Rest war zum Glück längst im Schloss Weesenstein in Sicherheit. Schon zu Weihnachten 1945 gab es wieder eine Ausstellung im notdürftig hergerichteten Erdgeschoss, und der Jägerhof war 1950 bis 1952 das erste der zerstörten Dresdner Museumsgebäude, das komplett wiederaufgebaut wurde. Seit 1968 gehört das Haus zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Besucher im Volkskunstmuseum - Foto: SKD/Oliver Killig
Besucher im Volkskunstmuseum – Foto: SKD/Oliver Killig

Tausende Gründe für einen Besuch

Wer jetzt an verstaubte Vitrinen mit Nussknackern denkt, unterschätzt die Sammlung. Mehrere tausend Objekte aus dem Erzgebirge, der Lausitz und dem Vogtland warten über mehrere Etagen verteilt: bemalte Truhen und Betten, gedrechselte und geflochtene Holzwaren, verziertes Keramikgeschirr, Musikinstrumente aus dem Musikwinkel, Zinngerät und Schmiedearbeiten.

Dazu Plauener Spitze, Seiffener Spielzeug, Lausitzer Webereien und Blaudrucke sowie sorbische und obersächsische Trachten – ein Teil der Stücke stammt noch aus dem 18. Jahrhundert. Zu Ostern und Weihnachten gibt’s zusätzlich Sonderausstellungen zu den passenden Bräuchen, was dem Haus einen angenehm unaufgeregten Jahresrhythmus verleiht.

Kunstvoll gestaltete Ostereier, hier ein Gänse-Ei mit dem aufgemalten Jägerhof - Foto: Archiv/Anton Launer
Kunstvoll gestaltete Ostereier, hier ein Gänse-Ei mit dem aufgemalten Jägerhof – Foto: Archiv/Anton Launer

Ostern und Weihnachten im Jägerhof

In der Vorweihnachtszeit wird es im Jägerhof besonders stimmungsvoll: Dutzende Weihnachtsbäume ziehen in die historischen Räume ein, fantasievoll geschmückt mit selbst Erdachtem und Gefertigtem. Konzerte, Vorträge und Lesungen begleiten die Ausstellung, für Familien gibt es zudem verschiedene Bastelangebote.

Auch zu Ostern zeigt sich das Museum von seiner festlichen Seite. Kunstvoll verzierte Ostereier und prächtige Sträuße füllen die Räume, während Volkskünstlerinnen und Volkskünstler traditionelle und moderne Techniken vorführen und ihre Arbeiten anbieten. Ergänzt wird das Ganze durch Konzerte, gemeinsames Singen, Bastelangebote und Märchenstunden.

Auf einen Blick

  • Museum für Sächsische Volkskunst
  • Jägerhof, Köpckestraße, Innere Neustadt
  • Eröffnet am 8. September 1913
  • volkskunst.skd.museum
  • Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
  • Eintrittspreise: regulär 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahren) 2 Euro, Kinder bis Schuleintritt frei, ab 10 Personen 4,50 Euro pro Person