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Der freche Zwerg und das kleine Finale

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Jetzt glotzt der mich schon wieder an. Richtig frech lugt er unter seiner roten Zipfelmütze hervor. Die blauen Augen werden von weißen Augenbrauen und einem üppigen Rauschebart eingerahmt. Den ganzen Abend starrt er mich nun schon an. Und dabei kann ich Gartenzwerge überhaupt nicht ausstehen.

Gartenzwerg im Hinterhof - Foto: Anton Launer
Gartenzwerg im Hinterhof – Foto: Anton Launer

Wie bin ich hier nur hineingeraten?

Alles fing mit diesem Fußball-Halbfinale an. Mit Freunden wollte ich mich treffen, gemütlich in einem Kneipchen sitzen und auf großer Leinwand die Deutschen beim Siegen beobachten. Beides ging gründlich schief. Der von mir bevorzugte Biergarten hinter dem Wettbüro auf der Antonstraße war bereits mehr als eine Stunde vor Anpfiff komplett überfüllt. Auch die Ausweichmöglichkeiten – die Biergärten beim Toscana an der Louisenstraße und beim Cigales auf der Alaunstraße – waren hoffnungslos voll.

Vor dem Schwalbennest fanden sich schließlich noch ein paar Plätze mit Blick auf einen winzigen Fernseher. Dort entstand die Idee, kurzerhand eine eigene Leinwand in einem Hinterhof aufzubauen.

Und nun sitze ich hier. Die Leinwand ist riesig, das Bild erstaunlich gut, die Stimmung bestens, das Bier kühl und jederzeit in Reichweite. Am Grill werden fleißig Steaks gewendet. Unsere Party zum sogenannten kleinen Finale hat sich offenbar herumgesprochen, die Runde ist inzwischen beachtlich groß geworden. Eigentlich könnte ich also bester Laune sein.

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Wenn nur dieser dreiste Gartenzwerg nicht wäre.

Schließlich fasse ich mir ein Herz, schnappe den Burschen und verfrachte ihn hinter den nächsten Busch. Soll er dort vor sich hingrinsen und andere Leute provozieren.

Nach der Party folgt normalerweise der Kater, das ist klar. Was aber passiert, wenn man vier Wochen lang fast jeden Abend gefeiert hat? Fallen wir nun alle in ein tiefes Loch der Langeweile?

Keineswegs. Die Neustadt hat vorgesorgt.

Bereits heute Abend geht es weiter: Hinter der Scheune beginnt der Schaubudensommer. Neun Tage lang heißt es wieder: „Hereinspaziert! Hereinspaziert!“ Und all die bekannten Gesichter von Annamateur über Jean Pierrot bis hin zu Debbsch und Lebbsch sind natürlich wieder dabei.

Während ich darüber nachdenke, meine kommenden Abende dort zu verbringen, muss ich unwillkürlich an den Zwerg denken. Vielleicht habe ich ihm Unrecht getan. Vielleicht überwinde ich mich sogar und nehme Kurt – so habe ich den Gartenzwerg inzwischen getauft – einmal mit zum Schaubudensommer.

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Man soll schließlich keine Vorurteile pflegen. Nicht einmal gegenüber Gartenzwergen.

Anmerkung 2014

Aus dem Cigales ist inzwischen die Schokoladenbar geworden, aus dem Schwalbennest das Eckstein.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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