In der Hoyerswerdaer Straße 31 leben Menschen zwischen 30 und 65 Jahren, einige seit Jahrzehnten. Jetzt steht die Frage im Raum, ob sie bleiben können. Das denkmalgeschützte Miethaus soll verkauft werden, und die Hausgemeinschaft will es gemeinsam mit der selbstverwalteten Wohnungsgenossenschaft Wohnen Gestalten Dresden eG (WoGe) kaufen.

Wenn der Eigentümer wechseln sollte
Was ein Verkauf bedeuten könnte, lässt sich am Mansardgeschoss besichtigen: Der jetzige Eigentümer hatte es bereits für einen Dachausbau entkernen lassen. Auch Balkone waren geplant, erzählt Kathrin, die selbst im Haus wohnt. Die Hausgemeinschaft habe dem widersprochen, weil die Konstruktion nicht komplett durchdacht gewesen wäre. Die Sorge der Hausgemeinschaft: steigende Mieten, Modernisierungen nach den Regeln des freien Marktes und am Ende die Verdrängung derjenigen, die teils seit Jahrzehnten hier leben. „Wir wollen nicht passiv abwarten, sondern unser Zuhause selbst sichern“, sagt Jörg Eichler, der seit 25 Jahren im Haus wohnt.
Vorbild Louisenstraße 85
Die WoGe hat so ein Projekt schon einmal umgesetzt: Anfang des Jahres kaufte sie mit dem Haus Louisenstraße 85 ihr erstes Objekt dieser Art. Die Hoy31 wäre deutlich größer, mit Wohnetagen mit bis zu 200 Quadratmetern und zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss, in denen unter anderem ein seit drei Generationen ansässiger Friseursalon und der Verein Endmoräne e. V. ihren Platz haben. Anders als bei der Louisenstraße war die Hausgemeinschaft hier vorher nicht als Verein organisiert. Die Selbstverwaltung muss erst noch wachsen. Basisdemokratisch soll sie trotzdem werden: Anders als bei klassischen Genossenschaften entscheiden bei der WoGe die Menschen im jeweiligen Haus selbst über Sanierung, Barrierefreiheit oder die Nutzung gemeinsamer Flächen.

Sechsstelliger Betrag und ein enger Zeitplan
Der Kaufpreis liegt weit über einer Million Euro, orientiert am ortsüblichen Markt. Finanziert werden soll er größtenteils über einen Bankkredit, doch für den Eigenanteil von 30 bis 40 Prozent braucht die Genossenschaft Unterstützer:innen. Die Summe können die Bewohner:innen allein nicht aufbringen. Wer helfen möchte, kann für 100 Euro Mitglied der WoGe werden und Anteile zeichnen oder ihr ein Darlehen geben, ganz ohne Aussicht auf Rendite. „Solange die Politik uns keine günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für gemeinnützige Wohnprojekte dieser Art bereitstellt, bleiben wir auf die Unterstützung durch investierende Mitglieder angewiesen“, sagt Dr. Johannes Feldbauer, Vorstand der WoGe. Auch für die geplanten Sanierungen – Brandschutz, eine neue Heizung und der Ausbau des Mansardgeschosses – ist ein sechsstelliger Betrag nötig, weshalb vorerst nur das Nötigste angegangen werden soll.
Eng ist vor allem der Zeitplan: Bis Ende Oktober oder November soll die Finanzierung stehen, sonst drohe der Verkauf an andere Investor:innen. Was das für die Hausgemeinschaft bedeuten würde, bringt Kathrin auf den Punkt: Man würde dann „auf einer Fremdbaustelle wohnen“, mit der Angst, am Ende doch noch aus dem eigenen Zuhause verdrängt zu werden.
Tag der offenen Tür
Wer sich selbst ein Bild von der Hoy31 machen und die Hausgemeinschaft kennenlernen möchte, kann das am 27. September ab 16 Uhr direkt vor Ort tun: Zum Haus- und Hoffest lädt die Hausgemeinschaft Unterstützer:innen, Presse und Lokalpolitik ein.

Haus- und Hoffest der Hoy31
- Sonntag, den 27. September, ab 16 Uhr
- Hoyerswerdaer Straße 31, 01099 Dresden
- Mehr Infos zum Projekt




















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