Der Weg zwischen Baugruben und Zäunen von der Königsbrücker Straße zur Eingangstür des Projektraums „Hole of Fame“ hat sich am Abend des 1. Oktober mehr als gelohnt. Zwei Künstlerinnen luden zur farbenfrohen Vernissage ihrer Ausstellung mit dem Titel „My German is abstract“.

My German is abstract
Die Ausstellung präsentiert zwei visuelle Geschichten über Wurzeln – nicht jene, die wir hinter uns lassen, sondern jene, die in einem neuen Boden wieder wachsen müssen.
Wer emigriert, wechselt mehr als ein Land. Er verlässt den Boden, in dem Gewohnheiten, Sprache, Erinnerungen und das Verständnis für andere gewachsen sind. Wo die neue Sprache noch nicht selbstverständlich ist, entstehen andere Formen der Verständigung: Gesten, Wiederholungen, Berührung und Bilder. Eine Zeit lang scheint das Leben stillzustehen. Doch unter der Oberfläche geht die Arbeit weiter: Neue Wurzeln wachsen, bis sie eines Tages stark genug sind, eine neue Krone zu tragen.

Die Ausstellung bringt zwei künstlerische Positionen zu einer gemeinsamen Frage zusammen: Wie kann ein Ort bewohnt werden, während Sprache, Identität und Zugehörigkeit noch im Werden sind?
Die Künstlerinnen und ihre Bilder
Julia Suptel (1987 in Kyiv, Ukraine) lebt und arbeitet in Dresden. In ihren taktilen Arbeiten mit Öl- und Softpastellkreiden verbindet sie Fragilität, Vergänglichkeit und Hoffnung. Ihre floralen Motive setzen sich mit Zugehörigkeit, Erinnerung und kultureller Herkunft auseinander – zwischen einer vom Krieg geprägten Heimat und einem neuen Zuhause in Deutschland. Elemente der traditionellen ukrainischen Stickerei übersetzt sie in vielschichtige Bildwelten. Blumen werden dabei zu Symbolen für Schönheit, die trotz Verlust und Dunkelheit weiterbesteht.
Nina Piatrouskaya (1985 in Minsk, Belarus), wohnhaft in Dresden, arbeitet mit Öl auf Leinwand. Ihr meditativer, repetitiver Ansatz verbindet sorgfältige Detailarbeit mit einer ruhigen, emotionalen Bildsprache. In der Ausstellung stehen Bonsai-Bäume und Wurzeln im Mittelpunkt. Sie werden zum Bild für Erinnerung, Herkunft und Migration: Das nahezu unsichtbare Wachsen in neuem Boden verlangt Vertrauen, Zeit und Geduld. Doch gerade diese Pause ermöglicht es dem Baum, wieder lebendig zu werden.

Ausstellung und Workshops
Für die musikalische Begleitung der Vernissage sorgte Anastasiia Kadiuk, die am Klavier drei emotionale Lieder vortrug. Mit einem ihrer eigenen Lieder brachte sie passend zum Ausstellungsthema ihre Gedanken und Sehnsüchte über das Ankommen zum Ausdruck.
Künstlerin Julia Suptel erzählte, dass die ihr vorher einzig bekannten Sätze auf Deutsch „Eins, zwei – Polizei!“ und „Achtung, Hände hoch!“ waren. Es hat einige Zeit gedauert, Deutsch zu lernen, und später viel Mut gebraucht, auf Deutsch statt auf Englisch mit Deutschen zu sprechen.
Bis zum 16. Oktober 2026 können Interessierte die Ausstellung mittwochs von 17 bis 20 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr besuchen.
Außerdem werden zwei Workshops für Laien ab 15 Jahren in deutscher, englischer und ukrainischer Sprache angeboten. Diese finden am 4. und 8. Oktober statt. Die Teilnahme ist auf Spendenbasis möglich, um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Weitere Informationen
- Kanal der Künstlerin Julia Suptel: instagram.com/julia.suptel
- Kanal der Künstlerin Nina Piatrouskaya: instagram.com/ni_pia
- Projektort „Hole of Fame“: www.holeoffame.de

























Ich habe mir die Ausstellung angeschaut – sie ist wirklich beeindruckend und schön.