Mittwochnachmittag auf der Dr.- Friedrich-Wolf-Straße, ein kurzes Knacken, dann rauschen zwei schwere Äste zu Boden. Ein Neustadt-Geflüster-Leser hat die Szene festgehalten. Zum Glück wurde kein Mensch getroffen, am benachbarten Auto entstand Sachschaden.

Bäume haben es schwer in den Zeiten der Trockenheit. Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft (ASA) bemüht sich solche Schäden vorher zu erkennen. Dafür sind in der ganzen Stadt Baumkontrolleur*innen unterwegs. Ein abgestorbener Ast, eine Höhlung im Stamm oder Schäden an den Wurzeln sind für das ungeübte Auge nicht immer sofort sichtbar. Bei der Kontrolle können solche Auffälligkeiten entscheidend sein. Die ASA-Mitarbeiter*innen prüfen regelmäßig die Stand- und Bruchsicherheit der städtischen Bäume. Eine Kontrolle führt dabei nicht automatisch zu einer Fällung. Oft können Pflegemaßnahmen oder Sicherungen einen Baum länger erhalten.
„Die oberste Regel ist, an einem Baum so wenig wie möglich zu schneiden“, sagt Kristina Klabes, Baumkontrolleurin beim Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Jede Schnittstelle kann Pilzerkrankungen eine Eintrittsmöglichkeit bieten. Deshalb prüfen die Fachleute bei jeder Kontrolle, welche Maßnahmen notwendig sind.
Rund 105.000 Bäume im Baumkataster
Im Baumkataster der Landeshauptstadt sind derzeit rund 105.000 Bäume erfasst. Sie stehen unter anderem an Straßen, in Grünanlagen, auf Spielplätzen und auf Schulgrundstücken. Zehn Baumkontrolleur*innen kümmern sich um die regelmäßigen Untersuchungen.
Die Häufigkeit einer Kontrolle hängt unter anderem vom Standort und der dort erforderlichen Sicherheit ab. Eine hohe Priorität haben Bäume an Hauptverkehrsstraßen, auf Spielplätzen und auf stark genutzten Schulgrundstücken. Grundsätzlich kontrolliert die Stadt ihre Bäume jährlich. Nach besonderen Ereignissen wie Stürmen finden zusätzliche Kontrollen statt.
Die Kontrolle umfasst den gesamten Baum. Die Fachleute untersuchen zunächst das Umfeld und den Wurzelbereich. Anschließend folgen Stamm und Krone. Auffälligkeiten dokumentieren sie digital. Über eine mobile Anwendung können sie frühere Kontrollen, bekannte Schäden und geplante Maßnahmen einsehen.

Hitze und Trockenheit belasten die Bäume
Hitze und Trockenheit setzen den Stadtbäumen zu. Hinzu kommen die Bedingungen an ihren Standorten. Dazu gehören wenig Bodenraum, versiegelte Flächen, eine eingeschränkte Versorgung mit Wasser und Nährstoffen sowie Streusalz. Ein gesunder Baum kann ein einzelnes trockenes Jahr in der Regel verkraften. Wiederkehrende Belastungen können jedoch zu Stress und einem Verlust an Vitalität führen. Mögliche Folgen sind absterbende Äste oder größere abgestorbene Teile der Krone.
Besonders betroffen sind ältere Bäume. Sie sind unter anderen klimatischen Bedingungen gewachsen. An veränderte Bedingungen können sie sich nicht mehr so schnell anpassen. Auch das Alter des Baumbestandes erhöht den Pflegebedarf. Mit zunehmendem Alter treten bei Bäumen mehr Schäden auf. Totholz entsteht daher nicht nur durch klimatische Veränderungen. Es gehört auch zum natürlichen Alterungsprozess eines Baumes.
Jedes Jahr müssen durchschnittlich etwa fünf bis zehn Prozent des erfassten Baumbestandes bearbeitet werden. Bei mehr als 100.000 Bäumen entspricht das etwa 5.000 bis 10.000 Bäumen.
Totholz entfernen und Kronen pflegen
Nach einer Kontrolle entfernen Fachleute am häufigsten Totholz. Bei jüngeren Bäumen kann zudem eine Kronenpflege erforderlich sein. Dabei achten sie unter anderem auf reibende Äste und ungünstige Triebe. Diese könnten später Probleme verursachen.
Bei besonderen oder bereits geschädigten Bäumen reicht eine Sichtkontrolle nicht immer aus. In diesen Fällen beauftragt die Stadt spezialisierte Unternehmen mit weiteren Untersuchungen. Eine Schalltomografie kann zeigen, wie weit eine Fäule im Inneren eines Stammes fortgeschritten ist. Eine Bohrwiderstandsmessung liefert Informationen über die Stabilität des Holzes.
Ein Beispiel ist die Platane vor dem Dresdner Rathaus. Der Baum ist rund 150 Jahre alt und weist eine größere Höhlung sowie Schäden am Stamm auf. Fachleute haben ihn bereits mehrfach mit einer Schalltomografie untersucht. So lässt sich seine Entwicklung über mehrere Jahre beurteilen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Zerfall des Holzes über einen längeren Zeitraum vergleichsweise langsam vorangeschritten ist.
Mehrere Kronensicherungen sichern zudem Äste der Platane. Bricht ein gesicherter Ast aus, halten ihn die Seile. Er fällt dadurch nicht unkontrolliert auf die Verkehrsfläche.
Schäden an den Wurzeln sind nicht immer sichtbar
Bei der Baumkontrolle spielt auch der Wurzelbereich eine wichtige Rolle. Schäden an den Wurzeln sind von außen häufig kaum zu erkennen. Werden Wurzeln etwa bei Bauarbeiten beschädigt, können Pilze eindringen. Diese können das Holz über einen längeren Zeitraum zersetzen. Der Baum kann äußerlich weiterhin vital wirken und dennoch an Standfestigkeit verlieren.
Die Baumkontrolleur*innen untersuchen deshalb auch den Wurzelanlauf. Mit einem Sondierstab können sie prüfen, wie weit eine Höhlung reicht. Außerdem lässt sich feststellen, ob an einer erwarteten Stelle im Boden noch Widerstand durch Wurzeln vorhanden ist. Nach Stürmen ist die Untersuchung des Wurzelbereichs besonders wichtig. Ein Baum kann weiterhin eine grüne Krone tragen. Ein geschädigtes Wurzelsystem kann jedoch dazu führen, dass er nicht mehr ausreichend im Boden verankert ist.
Mehr Raum für Wurzeln
Bei der Planung neuer Baumstandorte berücksichtigt das Amt für Stadtgrün auch die Folgen von Hitze und Trockenheit. Bäume benötigen ausreichend Platz für ihre Wurzeln und eine gute Wasserversorgung. An Straßen ist der verfügbare Raum häufig begrenzt.
Das Amt für Stadtgrün setzt sich deshalb für größere Wurzelräume an neuen Baumstandorten ein. Unterirdische Wurzelgräben können solche Bereiche miteinander verbinden. Auch die Bewässerung junger Bäume gewinnt bei längeren Trockenperioden an Bedeutung. Rund 6.000 Jungbäume gehören derzeit zum Bewässerungsbestand der Stadt. Während der Vegetationsperiode erhalten sie abhängig von der Witterung durchschnittlich sechsmal Wasser.
Eine Bewässerungsrunde für alle diese Bäume kostet rund 40.000 bis 50.000 Euro. Unterstützung erhält die Stadt von der Initiative „Dresden gießt“ sowie von weiteren Bürgerinnen und Bürgern, die bei großer Trockenheit Bäume bewässern. Die Initiative ist seit ein paar Wochen auch auf dem Alaunplatz im Einsatz. Neustadt-Geflüster wird „Dresden gießt“ in den nächsten Tagen vorstellen.
- Weitere Informationen gibt es unter www.dresden.de/baum und dresdengiesst.de.






















Nicht die „ASA-Mitarbeiter*innen“ prüfen und pflegen die Bäume, sondern jene vom Regiebetrieb Techn. Dienstleistungen. Von ASA steht auch nichts in der PM, auf die sich der Artikel bezieht. ASA sitzt im Büro und macht nur Orga und Planung.
Die Baumprüfer*innen draußen kommen kaum hinterher, es sind ja die normalen Gärtnerinnen und Gärtner, welche dann keine Zeit für Pflanzenpflege haben.
Die „Baumpflege“ in Dresden ist zudem oft Ärgernis, da im Ergebnis viele Mängel sichtbar sind und bleiben. Die „Kronenpflege“ wird zu rabiat gehandhabt (z.B. seltener Turnus wegen Geldknappheit), oft sind bei externen „Baumpflegefirmen“ nur grob geschulte Handlanger am Werk die rumsensen, die Lichtraumprofile sind mit 7m um jede Leitung das AUS für jede Allee, entlang Häusern sind „Bäume“ oft nur halbe Bäume, und es wurde jahrzehntelang nur kleinwüchsiges Baumzeug gepflanzt. Der Formschnitt ist oft mangelhaft, schiefe Wüchse werden anfangs nicht korrigiert, die Kronenauslichtung als Trimm-Schnitt läßt Jungbäume nie normal groß werden sondern verkrüppeln.
Obwohl sich Dresden als „Straßenbaumstadt“ sieht und belobigt, ist der Vergleich zu echten Allee-Städten und bei analytischem Blick sehr enttäuschend. So gibt es kaum ordentliche echte Alleen, nur selten wird ordentlicher Schattenanteil erreicht (dann Uraltbestand), meist ist trotz Bäumen fast alles sonnenbeschienen, trocken und aufgeheizt. Die Optik für die Straßenzüge ist zu oft mangelhaft. Gerade die stadtbildrelevanten Achsen sind mies dran, da kannste nehmen was de willst. Die Stübelallee ist ok, in Striesen gibts paar gute Alleen, und hier und da mal. Aber sonst? Straßenbauplanung ist bis dato ein Graus für Baumstandorte, überall Einfahrten und Leitungen, Bäume nur als Restmasse wo noch bissel Platz ist.
Kurz: es sieht einfach mies aus, im Vergleich zu echten ordentlichen Alleen. Die ein viertel Jahrhundert alten Schnurbäume am Wirtschaftsministerium z.B. sind nur noch dünnes Zeugs, da fragt man sich was da los ist. Von besonderer Leistung kann also flächig gesehen keine Rede sein. Der DDR-Altbestand ist zudem fast durchweg verkrüppelt durch immer wieder Aussägungen (siehe Köbrü fast alle Bäume), im Neubestand stirbt jetzt noch mehr weg, weil man nach 3 Jahren Startpflege nicht mehr gießt (z.B. Grünzug Schäferstraße).
Das ganze Thema ist sehr komplex, hier kann ich nur wenig aufzählen.
Wozu nun eine PM erscheint, ist unklar. Solche PMs beleuchten nur die Perspektive des Amtes und sind aufbereitet und keine echte Info. Das nützt meist nicht viel.
Im Grunde bräuchte das ASA samt Regiebetrieb etwa doppelt so viel Geld und Personal wie überliefert, wenn man eine grüne Stadt von Qualität sein möchte. Die Stadtratspolitiker haben hingegen jahrzehntelang dieses Amt runtergespart und seit Rot-Grün gab es nur teilweise kleinere Besserungen. Man hat keinen Blick und keinen Willen. Amen.
Lieber Grünlandautor, vielen Dank für den Hinweis, in der Pressemitteilung der Stadt ist jedoch explizit von „Kristina Klabes, eine Baumkontrolleurin des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft“ die Rede.
Das Thema passt gut mit der gerade laufenden Brückendiskussion zusammen. 2 oder 4 Spuren? Für viele 4 Spuren. Dann reicht es eben an anderer Stelle nicht.
Ja, @ versteher, vom Brumm brumm zum Summ Summ. Heute beschreibt auch einer bei saechsische.de (Reihe: Visionen für DD) wie man die Infrastruktur mehr vom Grünen aus sehen und planen muß, anstatt vom Beton her.
@ Anton L.: Und ich hatte den Text nochmals überflogen, aber klaro taucht irgendwo wieder ein „ASA“ auf, diesmal übersehen in der Bildüberschrift. Da hat also die Verwaltung ihre ureigenste Maßgabe, daß amtliche Informationen wie auch PMs stets wahrheitsgemäß und korrekt zu sein haben, übersehen. Es sind auch nur Menschen, da ist man betriebsblind, solch Lapsus schleicht sich ein, vielleicht weil im Foto auch Herr „Pflegechef“ Lange vom echten ASA drauf ist. Die benannte junge Dame jedenfalls ist – wie geklärt – kein ASA sondern im Regiebetrieb ZTD, Betriebsteil XY extern angestellt.
@Grünlandlaudator
Wie erfrischend, einmal Kritik zu vernehmen, die sich auf Sachkenntnis und nicht auf Gewohnheit oder Gefühlslage zu stützen scheint. Dass es bis zu einer eventuellen Verwirklichung der Visionen Jahrzehnte oder länger dauern wird, sollte in Dresden keine:n überraschen.
@Grünlandlaudator der Regiebetrieb kontrolliert keine Bäume mehr, nur mitarbeitende des ASA führen Kontrollen durch. Die Aussage zu externen halte ich im besten Fall für gewagt.
@ Amtsmann: „extern“ war hier zunächst nur als „nicht Teil des ASA“ gemeint, also der Eigenbetrieb ZTD ist freilich in der Stadtverwaltung LHD, nur falls sie das mißverstehen wollten. Extern bedeutet sonst ja eine extra Firma von außen.
Daß der Regiebetrieb (also hier unsere Gärtnerinnen und Gärtner draußen) „nicht mehr“ kontrolliert, wo doch gerade eine im Foto der amtlichen Pressemitteilung dargestellt wurde, ist wenig glaubhaft. Dann muß die junge Dame nun also im ASA angestellt (worden) sein und ggf. weitere Baumgutachter. Seit wann ist es denn so, und warum? Ich vermute daß die GärtnerInnen es nicht mehr schafften und sie X Personalstellen genehmigt bekamen. Wäre eine Variante der Erklärung, und wäre auch super so. Haben diese Neuen auch weitere Aufgaben, vermutlich sind sie auch zu euren Büroarbeiten fähig. Soll der Regiebetrieb die freiwerdende Kapazität v.a. fürs Gießen nutzen (im Sommer) oder für was?
Solche Antworten wären dienlicher als fragwürdige Einzeiler, ansonsten gehe ich weiter vom bisherigen Ablauf wie weiter oben aus. Mir ist die Arbeitszuweisung hierzu egal, es geht hier ja eigentlich um das Stadtgrün in Parks, Straßen und Plätzen. Ich werde ihre RB-Leute befragen. Amen.