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Polizeiliche Kriminalstatistik für die Neustadt 2025

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

Mit reichlich Verspätung wurde am Montag im Stadtbezirksbeirat Neustadt die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das vergangene Jahr vorgestellt. Da Revierleiter Jürgen Kunath aktuell im Urlaub ist, übernahm Bürgerpolizist Elko Reißig die Präsentation der Zahlen.

Bürgerpolizist Elko Reißig stellte die Polizeiliche Kriminalstatistik im Stadtbezirksbeirat vor. Foto: Anton Launer
Bürgerpolizist Elko Reißig stellte die Polizeiliche Kriminalstatistik im Stadtbezirksbeirat vor. Foto: Anton Launer

Die PKS enthält die der Polizei bekannt gewordenen rechtswidrigen Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen. Oder, wie es Stadtbezirksbeirat Torsten Abel (Grüne) später in der Sitzung formulierte: die Anzeigenstatistik. Denn nicht erfasst wird das Dunkelfeld, also Straftaten, von denen die Polizei nichts erfährt. Dieses ist zum Beispiel bei Rauschgiftdelikten sehr hoch. Außerdem zeigt die PKS nicht die tatsächlichen Verurteilungen, sondern lediglich den Tatverdacht.

Die Statistik ist zudem stark vom Anzeigenverhalten abhängig. Revierleiter Jürgen Kunath hat das im Neustadt-Geflüster-Gespräch einmal so erläutert: „Wenn einer eine Ohrfeige bekommt, wird er sie normalerweise nicht anzeigen, wenn aber in der Nähe ein Polizeiauto steht, dann vermutlich schon.“ Die PKS hat daher gewisse Unschärfen und bildet nur einen Teil des Kriminalitätsgeschehens ab. Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten und Staatsschutzdelikte sind in dieser Statistik ebenfalls nicht enthalten.

Gesamtkriminalität gesunken

Zu Beginn verwies Reißig auf eine positive Entwicklung: Die Gesamtkriminalität ist gesunken. Von den Pandemie-Jahren abgesehen, sei es der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Insgesamt verzeichnet die Statistik 6.160 Straftaten.

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Der deutliche Rückgang ist vor allem auf weniger Diebstähle zurückzuführen, betonte Reißig. In anderen Deliktsbereichen zeigt sich dagegen eine ungünstigere Entwicklung. So haben die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung den Höchstwert des Vorjahres noch einmal übertroffen. Hier wurden 115 Fälle gezählt. Stadtbezirksbeirat Sascha Möckel (Grüne) wies darauf hin, dass das Dunkelfeld in diesem Bereich seiner Erfahrung nach besonders hoch sei.

Auszug aus der Präsentation zur Polizeilichen Kriminalstatistik
Auszug aus der Präsentation zur Polizeilichen Kriminalstatistik

Auch die Gewaltkriminalität hat zugenommen. Insgesamt wurden 390 Fälle registriert. Mit 119 registrierten Raubdelikten wurde der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich deren Zahl fast verdoppelt. Außerdem zeigt die Statistik, dass 64,5 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen im Bereich der Gewaltkriminalität nichtdeutsche Staatsangehörige sind.

Reißig betonte, dass im Bereich der Gewalt auch die Jugendkriminalität eine erhebliche Rolle spiele. Daher arbeite man eng mit der Soko Iuventus zusammen, die sich insbesondere mit Jugendkriminalität befasst. Ein Großteil der Straftaten spielt sich im Bereich um den Albertplatz und am unteren Eingang der Alaunstraße ab. Die Gegend wird von der Polizei weiterhin als Kriminalitätsschwerpunkt eingestuft.

Gewaltkrimininalität in der Neustadt 2025
Gewaltkrimininalität in der Neustadt 2025

Rückläufig ist hingegen die sogenannte Straßenkriminalität, also die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum. Auch im Bereich der Rauschgiftkriminalität wurden weniger Straftaten registriert. Allerdings gebe es hier ein großes Dunkelfeld, so Reißig. Die Abwasseranalysen, die im Suchtbericht der Landeshauptstadt aufgeführt sind, zeigen steigende Werte beim Konsum von Crystal, Ecstasy und Amphetaminen. Bei Rauschgiftdelikten handelt es sich zudem weitgehend um Kontrolldelikte: Je intensiver kontrolliert wird, desto mehr Verstöße werden in der Regel festgestellt.

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Reißigs Fazit: Insgesamt ist ein deutlicher Rückgang der registrierten Kriminalität zu verzeichnen. Auf den Anstieg der Gewaltkriminalität müsse man jedoch reagieren, unter anderem mit verstärkter Präsenz und sogenannten gefahrenabwehrrechtlichen Maßnahmen wie Aufenthaltsverboten und Messertrageverboten. Reißig lobte ausdrücklich das kommunale Konfliktmanagement, insbesondere die Kiezlichter.

Torsten Abel (Grüne) wollte wissen, zu welchen Uhrzeiten es am Albertplatz besonders gefährlich sei. Der Kriminalitätsschwerpunkt werde nicht nach Tageszeiten festgelegt, erläuterte Reißig. In den Abendstunden nehme die Kriminalität jedoch zu, insbesondere am Wochenende. Zu diesen Zeiten seien allerdings auch mehr Menschen im Viertel unterwegs.

Sascha Möckel (Grüne) wünschte sich beim Thema Sexualkriminalität ein stärkeres Engagement der Polizei.

Felix Göhler (SPD) fragte nach möglichen Ursachen für die steigende Gewalt. Reißig verwies auf Wechselwirkungen mit dem Wiener Platz. Außerdem bereite der Polizei Sorge, dass die Täter immer jünger würden. Hier setze man auf die Zusammenarbeit mit der Soko Iuventus. Auf Göhlers Nachfrage, ob es sich eher um Intensivtäter handele, antwortete Reißig mit Ja. Gegen diese gehe die Polizei unter anderem mit Aufenthaltsverboten vor.

Johannes Schwenk (CDU) fragte nach den Ursachen für den Zuwachs bei den Gewaltstraftaten und danach, wie sich die Situation am Albertplatz verbessern lasse. Außerdem wollte er wissen, ob die Kiezlichter dabei helfen könnten. Reißig verwies auf einen engen Informationsaustausch. An der Schiefen Ecke hätten die Kiezlichter gut geholfen. Allein durch Polizeipräsenz lasse sich das Problem jedoch nicht lösen, es brauche weitere Maßnahmen.

Bei einer sogenannten Dunkelbegehung sei die Beleuchtung vor Ort untersucht worden. Künftig soll es mehr Licht am Albertplatz sowie auf dem kleinen Weg zwischen Alaun- und Königsbrücker Straße geben. Auf dem Alaunplatz habe eine verbesserte Beleuchtung bereits gut funktioniert. Eine konkrete Erklärung dafür, warum die Gewaltstraftaten so stark zugenommen haben, konnte Reißig nicht geben.

Christian Demuth (SPD) regte an, künftig auch Mehrfachstraftäter in der Statistik auszuweisen. Außerdem fragte er nach bereits umgesetzten Präventionsmaßnahmen. Stadtbezirksamtsleiter André Barth kündigte eine Gesprächsrunde mit den Gewerbetreibenden am Eingang der Alaunstraße an. Die Beleuchtung werde im Herbst erneuert. Der Vorschlag der CDU, die Alaunstraße teilweise zu sperren, sei dagegen abgelehnt worden.

Trotz des allgemeinen Rückgangs bleibt der Bereich Albertplatz und untere Alaunstraße damit der zentrale Unsicherheitsfaktor der Sitzung – und, das wurde deutlich, ein Problem, für das weder Polizei noch Stadtbezirksbeirat bislang eine einfache Lösung gefunden haben.

18 Kommentare

  1. Ist nicht jedes Jahr die Aussage: „Erfreulich ist, dass insgesamt weniger Straftaten gibt, aber die schweren Straftaten zugenommen haben.“?

  2. @Daniel: Nein. Eine Abnahme gab es nur dieses und letztes Jahr. Kannst Du leicht in der Grafik ablesen. Die Gewaltkriminalität hatte 2024 gegenüber 2023 und 2022 abgenommen. Übrigens ist die gefährliche und schwere Körperverletzung seit 2022 rückläufig. Nur die Raubstraftaten haben zugenommen, die jedoch so stark, dass es die gesamte Gewalt-Statistik nach oben zieht. Übrigens gibt es auch schwere Straftaten, bei denen Gewalt gar keine Rolle spielt.

  3. Ich lese hier nichts zu illegalen Grafitty und Schmierereien, wenngleich dominierendes langjähriges Problem der Sachbeschädigung in 01099, und oft von unbegabten Pubertierenden bis Twens des Nachts verübt.
    Was gibt es an Gegenmaßnahmen der Polizei, wie hält man das Risko hoch?
    Man hat den Eindruck, da werden aberhunderte Eigentümer einfach mal komplett im Stich gelassen. Es gibt eventuell rein gar keine Maßnahmen. Gilt auch für ständigen Vandalismus an Stadtmobiliar und eben sehr häufige Brände (auch an bewohnten Häusern des Nachts).

  4. Schon erstaunlich, dass es keinerlei Nachfragen zu den 64 % nichtdeutschen Tatverdächtigen gab. Offenbar findet man sich entweder a) mit dieser Entwicklung ab oder b) möchte vermeiden, sich mit kritischen Nachfragen vorschnell in eine bestimmte politische Ecke stellen zu lassen.

    Dabei wäre gerade hier eine sachliche Auseinandersetzung notwendig: Was sind die Ursachen für diesen hohen Anteil – und mit welchen wirklich nachhaltigen Konzepten lässt sich dieser Entwicklung entgegenwirken? Das Thema aus Sorge vor einer unbequemen Debatte auszuklammern, löst jedenfalls kein Problem.

    Der Rückgang bei den Eigentumsdelikten ist zunächst positiv. Möglicherweise tragen dazu auch bessere Sicherungs- und Präventionsmaßnahmen bei, die viele Menschen und Gewerbetreibende nach früheren Erfahrungen ergriffen haben.

    Für das subjektive Sicherheitsempfinden eines Besuchers der Neustadt dürften allerdings andere Delikte wesentlich entscheidender sein: Körperverletzung, Raub und Sexualstraftaten. Wer nachts unterwegs ist, beurteilt Sicherheit schließlich weniger danach, wie viele Fahrräder oder Handys gestohlen werden, sondern danach, wie groß das Risiko ist, selbst Opfer eines gewalttätigen Übergriffs zu werden.

    Bei der Interpretation rückläufiger Fallzahlen sollte man zudem genauer hinschauen. Weniger registrierte Straftaten bedeuten nicht zwangsläufig im gleichen Umfang weniger tatsächliche Straftaten. Polizeipräsenz, Kontrollintensität und Anzeigeverhalten können die Statistik beeinflussen.

    Auch die Cannabis-Legalisierung kann statistische Verschiebungen erklären, weil bestimmte Sachverhalte seit der Gesetzesänderung nicht mehr beziehungsweise anders strafrechtlich erfasst werden. Das sollte man jedoch sauber von der Entwicklung bei Gewalt-, Raub- und Sexualdelikten trennen.

    Entscheidend ist deshalb nicht, eine Statistik schön- oder schlechtzureden. Entscheidend ist die Frage: Wo verbessert sich die Sicherheitslage tatsächlich – und wo verändern sich lediglich Erfassung, Kontrolldichte oder rechtliche Rahmenbedingungen?

  5. @Anton: War ’ne subjektive „gefühlte“ Aussage.

    Eine andere Frage: wird ein Überfall, der aus einem Rudel sozialer Feiglinge heraus erfolgt, als EIN Verbrechen gezählt, obwohl es mehrere Täter gibt? Und kann man die Daten irgendwo runterladen?

    Danke!

  6. @Anton …
    Dein O-Ton: „… Nur die Raubstraftaten haben zugenommen, die jedoch so stark, dass es die gesamte Gewalt-Statistik nach oben zieht. Übrigens gibt es auch schwere Straftaten, bei denen Gewalt gar keine Rolle spielt.“!

    … es soll ein Witz sei oder? Wenn man keine Ahnung von Straf-und Prozessrecht hat, geschweige denn von der Interpretierung einer PKS, sollte man sich eher still verhalten! StGB und StPO sollte man schon wenigstens kennen bevor man sich immer wieder eingefärbt und einfältig auf Kommentare anderer Leser äußerst! Was sind denn deiner nach Meinung schwere Straftaten „ohne Gewalt im objektiven Tatbestand“??

    Sorry, mag das Magazin/Seite, aber langsam wird`s peinlich!

    Karl hat zurecht darauf verwiesen, auch wenn es nicht in das von dir „gefühlte Neustadtbild passt“.

    Wisse, Denke, Schweige …

    LG

  7. @Daniel / @Anton:

    Schade, dass die Zahlen für die NStadt nicht genauer zu haben sind.

    Der Polizeiliche Kriminalstatistik für die gesamte Stadt* lassen sich ja auch Zahlen entnehmen. Wenn man die dann mit den o.a. gegenüberstellt, ist das zT extrem krass oder irgendwie nicht passend.

    Allgemeine Kriminalität
    Neustadt: 6160 Fälle
    Dresden: 42735 Fälle
    Anteil: 14,4%

    Gefährliche und schwere Körperverletzung
    Neustadt: 252 Fälle (aus Grafik 2)
    Dresden: 1333 Fälle
    Anteil: 18,9%

    Raubdelikten
    Neustadt: 119 Fälle
    Dresden: 471 Fälle
    Anteil: 25,3%

    Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung:
    Neustadt: 115 Fälle
    Dresden: 119 Fälle
    Anteil: 96,6%

    ———–

    Schauen wir uns mal die Bevölkerungszahlen an:
    Dresden: 565.000 EW

    Revier Dresden Neustadt umfasst die Neustadt, Loschwitz, Klotzsche und weitere Ortschaften
    Neustadt: 51.000 EW
    Loschwitz: 21.000 EW
    Klotzsche: 21.000 EW
    Weitere: 23.000
    Zusammen: etwa 116.000 EW

    Der Anteil liegt also bei ca. 20,5%.

    ———–

    Bei Allgemeiner Kriminalität, Körperverletzung und Raubdelikten sieht es (statistisch!) also gar nicht besonders fies aus. Ich nehme aber mal ganz heftig an, dass Körperverletzungen und Raubdelikte nicht so typische Kriminalität in Loschwitz, Klotzsche und im Oberland sind. Jetzt kann man ganz wild hin- und her spekulieren, wieviel denn im Stadtbezirk Neustadt so anfällt, aber das wäre wirklich Kaffeesatzleserei.

    Daher wäre eigentlich eine genauere Aufschlüsselung sehr wünschenswert.

    @Anton:
    So richtig übel finde ich aber die Zahlen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. 116 Fälle im Bereich des Revier Neustadt gegenüber 119 Fällen in Gesamtdresden? Das haut irgendwas nicht hin – oder es ist hier richtig richtig richtig übel. Kannst du da vielleicht nochmal nachhaken?

    Beste Grüße
    Peter

    * https://www.polizei.sachsen.de/de/polizeiliche-kriminalstatistik-2025-41049.html?_cp=%7B%22a-42388%22%3A%7B%222%22%3Atrue%7D%2C%22previousOpen%22%3A%7B%22group%22%3A%22a-42388%22%2C%22idx%22%3A2%7D%7D

  8. @Karl:
    Dank dir für deine ausführlichen Zeilen.

    Ein Teilaspekt dazu: Im PLZ-Bereich 01099 ist das seit Jahren ein auffälliges Symptom. Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird ignoriert. Das lässt sich auch auf Neustadt-Geflüster gut beobachten. Unter Beiträgen, in denen von schweren Straftaten berichtet wird, finden sich kaum Kommentare. Wenn aber beispielsweise aufgrund der kollabierten Carolabrücke der gemeine Radfahrer (ich bin selbst einer) einen „komplizierten“ Umweg in Kauf nehmen muss, werden Romane verfasst.

  9. @Peter: Stimmt, da haut was nicht hin. Die Polizei überschreibt ihre Statistik für ganz Dresden mit „Vergewaltigung/sex. Nötigung und sex. Übergriff im bes. schw. Fall einschl. mit Todesfolge – Dresden, Stadt“, in der Neustadt-Auswertung ist von „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ die Rede, diese umfasst auch Kinderpornografie“, ich denke, das sind zwei unterschiedliche Kategorien.

    Es geht übrigens nicht um die Zahlen des ganzen Reviers, sondern nur um den Stadtbezirk Neustadt. Die ganze Präsentation gibt es inzwischen übrigens auch im Ratsinformationssystem der Stadt Dresden oder einfach hier als PDF.

    @Daniel: Damit nehme ich mein zweites Nein zurück.

    Auf Seite 6 sieht man auch eine Fallhäufigkeit pro Einwohner*in. Dabei sieht es so aus, als wäre die Neustadt fast doppelt so gefährlich, wie der Rest der Stadt. Dabei muss aber immer auch berücksichtigt werden, dass wir es hier eben mit einem Ausgeh-Viertel zu tun haben. Am Wochenende tummeln sich hier bis zu 15.000 Besucher*innnen pro Abend. Das relativiert die Zahlen dann auch wieder.

    Dies vielleicht auch an Karl. Ja, 390 Gewaltdelikte sind viel zu viele. Dennoch, Opfer eines Gewaltverbrechens in der Dresdner Neustadt zu werden, ist dabei immer noch sehr gering, wenn man betrachtet, wie viele Menschen in der Neustadt wohnen und Abend für Abend hierher zu Besuch kommen. Um mal die allgemeinen Zahlen einzuordnen, unser Kriminalitätshotspot Dresden Neustadt liegt mit 13.235 Straftaten pro 100.000 Einwohner noch unter dem Schnitt von ganz Frankfurt/M., Berlin oder Bremen.

  10. Über 13.000 Straftaten auf 100.000 Einwohner stellt gefühlt den Wilden Westen, die Prohibition in Chicago und den ersten Weltkrieg in Summe in den Schatten. Da hat man eine 10 %ige Chance jedesmal überfallen zu werden, wenn man auf die Straße tritt.

    Oder mache ich gerade einen Denkfehler?

  11. @ Anton:

    §§ 263 und 243 StGB?? Wieder nicht aufgepasst im Strafrecht!! § 263 ist der BETRUG und der ist in der PKS für die Neustadt garnicht relevant (jedenfalls nicht signifikant. Deswegen Lese!
    § 243 ist der Besondere Fall des Diebstahls – Qualifikation des einfachen Diebstahls gem. § 242 StGB (Wegnahme, Besitzwillen iVm. Zueignungsabsicht). Die Qualifikation zu dem von Dir erwähnten 243 ist Zugriff auf fremdes Eigentum mittels GEWALTsamen Besitzbruches. Mach es nicht lächerlicher mit Deinem offensichtlich fehlendem Wissen. Die Richtigen Fragen haben Dir hier Andere gestellt hier. Du glänzt dabei gerade nur mit den üblichen Floskeln anstatt konkret zu antworten.
    Schade, beschädigt etwas sehr Deine ansonsten sehr beachtenswerte Arbeit.
    LG

  12. Ach, SchadeMarmelade, warum schreibst Du so unfreundlich, mit so vielen Unterstellungen. Ich kann es gern für Dich nochmal aufdröseln.

    Daniel fragte: Ist nicht jedes Jahr die Aussage: „Erfreulich ist, dass insgesamt weniger Straftaten gibt, aber die schweren Straftaten zugenommen haben.“? – Daraufhin verwies ich auf die Statistik, dass dem nicht so sei. Die Zahlen kann jeder oben ablesen. Und ich ergänzte, möglicherweise etwas spitzfindig „Übrigens gibt es auch schwere Straftaten, bei denen Gewalt gar keine Rolle spielt.“ Die Intention der Spitzfindigkeit war darauf hinzuweisen, dass „schwer“ und „Gewalt“ was unterschiedliches sind. Ja, hätte ich mir verkneifen können. Sorry, dafür.

    Darauf reagierst Du und unterstellst „Wenn man keine Ahnung von Straf-und Prozessrecht hat, geschweige denn von der Interpretierung einer PKS, sollte man sich eher still verhalten! StGB und StPO sollte man schon wenigstens kennen bevor man sich immer wieder eingefärbt und einfältig auf Kommentare anderer Leser äußerst! Was sind denn deiner nach Meinung schwere Straftaten „ohne Gewalt im objektiven Tatbestand“??“ Schon hier kommst Du mit einer gewissen Agressivität im Ton daher, unterstellst mir „Einfältigkeit“, „eingefärbte Äußerungen“ und ein „gefühltes Neustadtbild“.

    Ich antwortete Dir, möglicherweise auch etwas zu schnippisch, mit Deinen eigenen Worten, verweise auf zwei schwere Delikte, die auch ohne Gewalt auskommen können. Das stellst Du nun wieder in Abrede. Ob Betrug in der PKS für die Neustadt eine signifikante Rolle spielt, kann ich nicht sagen, aus der Präsentation geht das nicht hervor. Darum ging es mir aber gar nicht. Fakt ist, es gibt schwere Delikte, die auch ohne Gewalt auskommen. Und Diebstahl kann sehr wohl zum schweren Diebstahl qualifiziert werden, auch ohne Gewalt. Siehe § 243, Absatz 3, 4 und 5. Wenn ein Diebstahl mit Gewalt begangen wird, handelt es sich um Raub, siehe § 249. Denn Gewalt meint im strafrechtlichen Sinne Kraftentfaltung gegen eine Person, nicht gegen ein Schloss oder Fenster.

    Zu Deinem Vorwurf der ‚üblichen Floskeln‘: schau Dir gern nochmal meine Antworten an Daniel (konkrete Jahresvergleiche), an Horst (exakte Zahlen zur Sachbeschädigung) oder meine Einordnung weiter oben zur Fallhäufigkeit im Städtevergleich an. Da ist nichts floskelhaft dran, sondern durchgehend mit Zahlen belegt. Wenn Du eine konkrete Stelle meinst, nenn sie bitte — dann können wir da draufschauen.

  13. Hier gibt’s ein kurzes einordnendes Interview zur bundesweiten PKS (lässt sich gut übertragen) mit einer Professorin, die hier in Dresden studiert hat. (https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/pks-kriminalstatistik-polizei-anzeigen-migrationshintergrund-taetigkeitsbericht).
    Anton hat zwar schon im Text versucht, so gut es geht zu informieren, aber steter Tropfen und so … schließlich muss hier keine*r das Rad neu erfinden („aber da gilt es noch dies das zu berücksichtigen…“) sondern da haben sich schon viele sehr fähige Menschen kompetent zu geäußert.

    „Die PKS wird oft als Beleg dafür gedeutet, wie sich Kriminalität in Deutschland entwickelt. Das tut sie in dieser Form aber nicht. Sie zeigt vielmehr einen Ausschnitt von Kriminalität, weil sie zu 90 Prozent auf Strafanzeigen beruht und die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Personen angezeigt werden, ungleich verteilt ist. Einige Delikte und bestimmte Personengruppen werden häufiger angezeigt als andere, deshalb findet man sie mit größerer Wahrscheinlichkeit in der PKS wieder.“

    „Bevor man gar nichts hat, um die Lage zu bewerten, nutzt man die PKS. […] Sie gibt also zumindest eine Idee, wie sich ein Ausschnitt der Kriminalität entwickelt.“

    „Haben Opfer und Täter keinen Migrationshintergrund, liegt die Anzeigewahrscheinlichkeit bei Gewaltdelikten bei 7,9 Prozent. Wenn Opfer keinen, aber der Täter einen wahrgenommenen Migrationshintergrund hat, sind 22,4 Prozent der Taten zur Anzeige gekommen.“
    (hier die Studie dazu: https://kfn.de/wp-content/uploads/2025/10/FB_171.pdf#page=96)

    „Die Zahlen suggerieren auf den ersten Blick, dass Nichtdeutsche krimineller sind als Deutsche. […] Mit Blick auf das Hell- und das Dunkelfeld muss man diese Aussage zunächst bejahen, wenngleich im Hellfeld nur sehr grob zwischen Deutschen und Nichtdeutschen, also nach Staatsangehörigkeit und im Dunkelfeld oftmals nur zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden wird.“

    “ Wichtig ist, dass man nach den Ursachen für eine mögliche Höherbelastung schaut: […] Menschen mit nichtdeutscher Herkunft sind häufiger von Armut betroffen und leben daher auch in sozial benachteiligten Stadtvierteln. Da ist mehr Kriminalität. […] Diese Menschen erleben zudem häufiger elterliche Gewalt, unterliegen Gewalt legitimierenden Männlichkeitsnormen und besuchen seltener ein Gymnasium. In der PKS kommt der Verzerrungsfaktor des unterschiedlichen Anzeigeverhaltens zuungunsten der Menschen mit Migrationshintergrund hinzu. […] Werden diese Faktoren berücksichtigt, gibt es keine Unterschiede mehr im Gewaltverhalten. In der PKS vergleicht man also sehr ungleiche Gruppen miteinander.“

    Und dann kommt noch der Punkt, an dem ich Karl (obwohl es an seinem Kommentar reichlich zu kritisieren gäbe) zustimmen kann:
    „Was sind die Ursachen für diesen hohen Anteil – und mit welchen wirklich nachhaltigen Konzepten lässt sich dieser Entwicklung entgegenwirken? Das Thema aus Sorge vor einer unbequemen Debatte auszuklammern, löst jedenfalls kein Problem.“ Mit welchen Ideen lässt sich Kriminalität verhindern.
    Frau Dr. Prätor sagt dazu:

    „Ich darf also nicht bei den Zahlen stehenbleiben, sondern muss auf die Bedingungen gucken, unter denen Menschen hier leben und die sie selbst oft gar nicht beeinflussen können, etwa weil sie Wohnungen in bestimmten Stadtteilen gar nicht bekommen.“

    Also, wenn 1 Lust hat, da weiter zu denken, nur zu! Ich empfehle im Vorfeld ne kurze Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kriminalitätstheorien (z.B. hier: https://soztheo.de/kriminalitaetstheorien/).

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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