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Alter Leipziger Bahnhof: Weiterentwicklung als Gedenkort beschlossen

Der Dresdner Stadtrat hat am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, über die Zukunft des Alten Leipziger Bahnhofs entschieden. Das Gremium sprach sich mit knapper Mehrheit für eine Fortführung der Entwicklung des Standorts zu einem Gedenkort aus.

Die konzeptionelle Arbeit für den Gedenkort am Alten Leipziger Bahnhof kann fortgeführt werden. Foto: Anton Lauer
Die konzeptionelle Arbeit für den Gedenkort am Alten Leipziger Bahnhof kann fortgeführt werden. Foto: Anton Launer

Der Beschluss betont die besondere Bedeutung einer Bildungs- und Begegnungsstätte an diesem Ort – für die Stadt Dresden, den Freistaat Sachsen und darüber hinaus. Die Landeshauptstadt soll ihrer historischen Verantwortung gerecht werden.

Dem Beschluss liegt ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP/FB zugrunde. Er sieht eine Projektförderung in Höhe von 100.000 Euro vor. Davon sollen 75.000 Euro in die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betriebskonzepts sowie in Forschungs-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit fließen. Weitere 25.000 Euro werden bereitgestellt, wenn bis zum 30. September 2026 ein Konzept zur Weiterentwicklung vorliegt. Dieses Konzept soll Bildungsangebote, eine Kooperationsstrategie mit anderen Gedenkstätten in Dresden und einen Zeitplan für einen Pilotbetrieb enthalten.

Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof - Foto: Anton Launer
Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof – Foto: Anton Launer

Die Entscheidung fiel mit 36 zu 35 Stimmen denkbar knapp aus. CDU, AfD und das Team Zastrow stimmten gegen den Antrag. Die Stadtratssitzung (mit den entscheidenden Tagesordnungspunkten 4 und 5) lässt sich auf dresden.de/livestream ansehen.

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Klepsch: Wichtiger Schritt

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke), sprach von einem wichtigen Schritt. Gleichzeitig äußerte sie sich besorgt über die knappe Mehrheit. Gedenkorte seien unverzichtbar für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen und für die politische Bildungsarbeit.

Bereits im April 2021 hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, den Alten Leipziger Bahnhof zu einem Lern- und Gedenkort zu entwickeln. Dort wurden Jüdinnen und Juden aus Dresden deportiert. Das Gelände gehört derzeit dem Unternehmen Globus. Verhandlungen über eine Rückübertragung an die Stadt laufen.

Ulla Wacker, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, betonte die Bedeutung der Entscheidung. Die Konzeptarbeit könne nun nach einer einjährigen Pause wieder aufgenommen werden, unabhängig von der Eigentumsfrage. Sie kritisierte zugleich den knappen Ausgang der Abstimmung. Die zunehmende gesellschaftliche Relativierung der NS-Verbrechen und der wachsende Einfluss rechtsextremer Gruppen seien ein Warnsignal.

Visualisierung der Gedenkstätte im Alten Leipziger Bahnhof. Quelle: adasp architekten GmbH | Visualisierung: Edgar Bauer 3d concept artist
Visualisierung der Gedenkstätte im Alten Leipziger Bahnhof. Quelle: adasp architekten GmbH | Visualisierung: Edgar Bauer 3d concept artist

Wissenschaftliche Forschung und pädagogische Arbeit bilden laut Beschluss die Grundlage für den Gedenkort. Noch lebende Zeitzeugen könnten ihr Wissen nur noch begrenzt weitergeben. Ihre Berichte und die Ergebnisse der Aufarbeitung sollen auch in museale und kulturelle Konzepte in Dresden einfließen.

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Wacker forderte die CDU auf, ihren Kurs zu überdenken. Diese habe vor fünf Jahren und im laufenden Doppelhaushalt der Entwicklung des Gedenkorts selbst zugestimmt. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen sei es entscheidend, ob demokratische Bekenntnisse Bestand hätten.

2 Kommentare

  1. Es hätte viele Orte gegeben, die deutlich präsenter sind und wo man zeitnah hätte einen solchen Gedenkort einrichten können. Mal als Beispiel der Standort des früheren Belvedere im Brühlschen Garten (östliches Ende der Brühlschen Terrasse). Oder ein anderer Ort in der Innenstadt, wo viele Menschen unterwegs sind. Und ja, dies wird dann auch schmerzhaft sein, weil man immer wieder damit konfrontiert wird, aber genau das soll ja auch Aufgabe eines Gedenkortes sein. Da kann man dann nicht einfach „wegsehen“ (d.h. den Gedenkort meiden und nicht aktiv aufsuchen), was aus meiner Sicht viel wichtiger wäre als der unmittelbare historische Bezug des Gebäudes. Die Frage ist auch, ob es überhaupt ein Gebäude und Ausgaben in Millionenhöhe braucht, um zu verdeutlichen um was es geht (*). Dann lieber jeden einzelnen gesparten Euro denen geben, deren Vorfahren damals millionenfach ermordet wurden.

    (*) Was minimaler Aufwand mit maximaler Wirkung sein kann, konnte man vor einigen Jahren an der Radeburger Straße im Rahmen einer künstlerischen Arbeit sehen, da hingen einfach nur „Hinweisschilder“ am Zaun, ich fand es sehr beklemmend.

  2. Ist das Gebäude denn nicht deckungsgleich mit jenem bedeutsamen Bau, welcher der erste Bahnhof der Stadt war und an dem die erste Fernbahn Deutschlands ankam? Ich verstehe nicht, warum in letzten zwei Jahren, wo es um den Gedenkort Deportationgleis ging, nicht auch an die Verkehrsgeschichte gedacht wurde. Hier war und ist für viele ein Wunschort für ein Verkehrsmuseum oder zumindest der bedeutenden Eisenbahngeschichte. Das war ein Jahrhundert lang ein Bahnareal, das dunkelste Kapitel nur Episode. Ein vertiabler Gedenkort ließe sich auch und gerade in einem historischen Bahnhof integrieren, welcher als solcher erstmal zu retten ist. 80 Jahre lang, wo es drauf angekommen wäre, hat es keinen Deportationsgedenkort gegeben, die Chance auf Wahrhaftigkeit ist verspielt, jetzt groß loszutrommeln ist vermutlich vergebens. Zudem: allein als Gedenkort wird das Gebäude nicht funktionieren, es würde besucherlos dahinsiechen. Das wäre ein Scheitern dieses historischen Ortes des ersten Bahnhofs. Man sollte andersrum rangehen: erst Rettung des Denkmals der Verkehrsgeschichte (evtl. mit Ausstellung innen, Betreibung z.B. als Außenstelle des Verkehrsmuseums), und integriert eine deutlich sichtbare Konfrontation mit dem Deportationsthema. So wird ein Schuh draus.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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