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Kader Attia im Blockhaus: Die Avantgarde und der Krieg

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Im Blockhaus treffen Werke von Hans Arp, Umberto Boccioni und Wassily Kandinsky auf Holzbüsten, Collagen und Videos von Kader Attia. Die neue Ausstellung im Archiv der Avantgarden verbindet Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps“ mit den Folgen des Ersten Weltkriegs. Sie läuft bis zum 21. März 2027.

Besonders beeindruckend sind die großen Skulpturen. Sonderausstellung Kader Attia - Le Sacre du Printemps, Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona. Foto: SKD
Besonders beeindruckend sind die großen Skulpturen. Sonderausstellung Kader Attia – Le Sacre du Printemps, Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona. Foto: SKD

Riesige Holzbüsten mit verzerrten Gesichtszügen, spärlich beleuchtete, geheimnisvolle Vitrinen, dazu bewegte Schwarz-Weiß-Bilder und verstörende Fotos. Der Ausstellungsort gehört selbst zur Geschichte, die hier erzählt wird: Von 1851 bis 1918 beherbergte das Blockhaus das Königlich-Sächsische Kriegsministerium. Heute untersucht das Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona, kurz ADA, dort die Verbindungen zwischen künstlerischem Aufbruch und Krieg. Auch das Wort Avantgarde stammt aus dem Militärischen. Es bezeichnet die Vorhut, die vor den übrigen Truppen vorrückt.

Für „Kader Attia: Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges“ hat das ADA rund 120 Objekte aus seiner Sammlung zusammengetragen. Dazu gehören Postkarten, Plakate, Zeitschriften und Filme. Einige Arbeiten waren noch nie öffentlich zu sehen. Kurator Przemysław Strożek hat die fünfte Sammlungspräsentation gemeinsam mit dem Künstler entwickelt.

Künstler Kader Attia und Kurator Przemysław Strożek. Foto: Anton Launer
Künstler Kader Attia und Kurator Przemysław Strożek. Foto: Anton Launer

ADA-Leiter Rudolf Fischer betonte bei der Vorstellung die aufwendige Recherche hinter der Ausstellung. Der Blick in die Vergangenheit solle helfen, an heutige Debatten anzuknüpfen.

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Vom Frühlingsopfer an die Front

Den Ausgangspunkt liefert Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps“, auf Deutsch „Die Frühlingsweihe“. Es kam 1913 in Paris zur Uraufführung, ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkriegs. In einem fiktiven Ritual opfert eine Gemeinschaft eine junge Frau, um den Frühling und neues Leben zu beschwören.

Das Ballett besteht aus den Teilen „Verehrung der Erde“ und „Das Opfer“. Diesem Aufbau folgt die Ausstellung. Sie stellt dem Tod der jungen Frau das Schicksal der jungen Soldaten gegenüber, die wenig später massenhaft an den Fronten starben. Werke und Dokumente aus Kubismus, Futurismus und Expressionismus zeigen den künstlerischen Aufbruch jener Jahre.

Eine Spur führt nach Dresden-Hellerau. Dort lehrte der Musikpädagoge Émile Jaques-Dalcroze seine Methode der rhythmischen Bewegung. Seine Assistentin Marie Rambert wirkte später an den Proben zu „Le Sacre du Printemps“ mit und unterstützte den Choreografen Vaslav Nijinsky. Hellerau gehörte damit zu den Orten, die die Entstehung des Balletts beeinflussten.

Diese Noten bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung. Im Obergeschoss ist eine Verfilmung des gesamten Balletts zu sehen. Foto: Anton Launer
Diese Noten bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung. Im Obergeschoss ist eine Verfilmung des gesamten Balletts zu sehen. Foto: Anton Launer

Was von den Wunden bleibt

Attias Holzbüsten, Collagen und Videoarbeiten beschäftigen sich mit den körperlichen und seelischen Folgen des Krieges. Im Mittelpunkt steht sein Begriff der „Reparatur“: Wie gehen Menschen und Gesellschaften mit Verletzungen um, die Gewalt hinterlässt? Dabei geht es auch darum, wie Gesellschaften an diese Erfahrungen erinnern und Verantwortung dafür übernehmen. Die Ausstellung verbindet diese Frage mit den historischen Beständen des Archivs.

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Künstler Kader Attia. Foto: Anton Launer
Künstler Kader Attia. Foto: Anton Launer

Attia wurde 1970 im französischen Dugny geboren und wuchs in Paris und Algerien auf. Vor seinem Kunststudium lebte er mehrere Jahre im Kongo und in Südamerika. Diese Erfahrungen prägen seinen Blick auf die Folgen des Kolonialismus, auf Gewalt, Verlust und die Erinnerung von Gesellschaften. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und Paris und lehrt an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Zum Begleitprogramm gehören ein Gespräch mit dem Künstler und Vorträge in der Reihe „Tiny Desk Lectures“. Dabei kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Dresden und dem internationalen Umfeld zu Wort. Außerdem sind kostenfreie öffentliche Rundgänge angekündigt.

Kader Attia: Le Sacre du Printemps – Am Vorabend des Krieges

  • Laufzeit: 5. November 2026 bis 21. März 2027
  • Ort: Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona im Blockhaus, Große Meißner Straße 19
  • Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 15 bis 19 Uhr; Sonnabend und Sonntag, 11 bis 18 Uhr
  • Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro; Schülerinnen und Schüler unter 20 Jahren 2 Euro; Kinder bis Schuleintritt frei
  • Weitere Infos
Alte Fotografien von Kriegsversehrten inspirierten Kader Attia zu diesen Skulpturen. Foto: SKD
Alte Fotografien von Kriegsversehrten inspirierten Kader Attia zu diesen Skulpturen. Foto: SKD
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