Seit 30 Jahren verkauft Lorna Mateev auf der Förstereistraße Stoffe an die Neustadt – nächste Woche wird mit einem kleinen Sektempfang gefeiert.

Wer das Zic Zac betritt, steht mitten in einem Meer aus Farben. Rot, Grün, Blau, Gelb – Stoffballen, Bänder und Borten, wohin man schaut. Zwischen all den Farben kann man Lorna Mateev fast übersehen. Überhören kaum: Ihr fröhliches Lachen gehört zum Laden wie die Stoffe in den Regalen.
Dass Mateev einmal einen eigenen Stoffladen führen würde, war keineswegs vorgezeichnet. Gelernt hat sie zunächst Weberin in Neugersdorf, danach studierte sie Textiltechnik in Reichenbach im Vogtland. „Das war aber nicht das Richtige“, sagt sie rückblickend.
Der Weg zum eigenen Stoffladen führte über einige Umwege. Lorna Mateev lernte zunächst Weberin in Neugersdorf und studierte danach Textiltechnik in Reichenbach im Vogtland. „Das war aber nicht das Richtige“, sagt sie rückblickend. Also ging es weiter zu Exquisit, dem DDR-Luxus-Textilhändler, wo sie in der Stoffproduktion arbeitete.
Mit der Wende wurde der Betrieb als einer der ersten abgewickelt. Beim Arbeitsamt bekam Mateev einen Eignungstest vorgesetzt. Das Ergebnis brachte zwei Vorschläge: Optikerin oder Schuhorthopädin. „Das war nix für mich.“ Stattdessen lernte sie Marketingkauffrau und arbeitete bei der Druckerei Pertermann.
Ein echtes Neustadtkind
Lorna Mateev ist, wie sie selbst sagt, ein richtiges Neustadtkind – und wohnt auch heute noch hier. 1996 eröffnete sie den Laden in der Förstereistraße. Am Konzept hat sich seitdem wenig geändert: Meterware, Kurzwaren, Borten und Spitzenkanten, dazu viermal im Jahr Nähkurse. Wer mit der eigenen Nähmaschine kämpft, bekommt bei ihr Hilfe, „wenn es ein paar Schwachstellen gibt“. Und zu jedem Stoff gibt es Geschichten gratis dazu.
Die Kundschaft ist ihr über die Jahre treu geblieben, gleichzeitig kommen immer wieder junge Leute neu dazu. Manche, die längst nach Hamburg gezogen sind, schauen bei einem Dresden-Besuch trotzdem vorbei. Rund 90 Prozent der Kundschaft sind Frauen, die meisten davon nähen selbst. Für Mateev ist Selbernähen auch eine Frage der Nachhaltigkeit. Denn sie weiß: „Wer sich sein Kleidungsstück selbst genäht hat, geht anders damit um, achtsamer.“

Woher die Stoffe kommen
Der Schwerpunkt liegt nach wie vor auf Naturfasern – Seide, Wolle, Leinen. „Ich habe die Fäden in der Hand“, sagt sie und schmunzelt. Wenn sie Schurwolle bezieht, dann am liebsten aus Schottland, wobei die Nachfrage nach Wolle insgesamt rückläufig ist.
„Jersey ist gefragt“, sagt sie. Der weiche, elastische Maschen- oder Strickstoff besteht meist aus Baumwolle, häufig mit Elasthan-Anteil. Gefragt sind außerdem Leinen und Ramie, auch als Grasleinen bekannt. Ihre Stoffe bezieht Mateev aus Italien, Holland, England und Spanien, neuerdings auch aus Griechenland.
Den Standort hat sie nie bereut. „Jung, kommunikativ – meine Kundschaft fetzt.“ Fast immer hat Mateev allein gearbeitet. Nur eine Zeitlang hatte sie eine freischaffende Schneiderin zur Unterstützung engagiert. Der Laden hat sich über all die Jahre getragen, traditionell ist die Weihnachtszeit die umsatzstärkste Phase.
Die Corona-Delle
Wirklich hart traf sie erst Corona. Vier Jahre habe es gedauert, bis sie wirtschaftlich wieder da war, wo sie vorher stand. Gleichzeitig erinnert sie sich an die andere Seite jener Zeit: Menschen standen eine Stunde lang vor ihrem Laden an, um Stoff für selbstgenähte Masken zu kaufen.
Auch die Konkurrenz durchs Internet ist über die Jahre gewachsen. Doch online fehlt genau das, was ihren Laden ausmacht: Stoffe in die Hand nehmen, ihre Beschaffenheit fühlen, die Farben direkt vor sich sehen – und dazu die passende Beratung bekommen.
Am 7. September lädt Lorna Mateev Stamm- und Neukunden zu einem kleinen Sektempfang ein – 30 Jahre „Zic Zac“ sind schließlich ein Grund zum Anstoßen.
Stoffladen Zic Zac
- Stoffladen Zic Zac, Förstereistraße 37, 01099 Dresden
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