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Unter der Brücke rollt’s – aber nicht rund

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

Seit fast fünf Jahren rollt unter der Albertbrücke auf Neustädter Seite die Dresdner Skaterszene über mobile Rampen und Boxen, die der Verein „Dresden rollt e.V.“ (vormals 248Wheels) in Eigeninitiative gebaut hat. Was fehlt, ist eine vernünftige Oberfläche: Der raue, unebene Asphalt birgt bei Stürzen ein hohes Verletzungsrisiko. Das soll sich nun ändern – die Neustadtgrünen haben dafür ein Vorschlagsrecht im Stadtbezirksbeirat Neustadt eingebracht.

Skater Tillmann Steglich in Aktion unterhalb der Albertbrücke – im Hintergrund die Brühlsche Terrasse. Vorne: Stadtbezirksbeirätin Katja Lehmann und Landtagsabgeordneter Thomas Löser (beide Grüne). Foto: Anton Launer
Skater Tillmann Steglich in Aktion unterhalb der Albertbrücke – im Hintergrund die Brühlsche Terrasse. Vorne: Stadtbezirksbeirätin Katja Lehmann und Landtagsabgeordneter Thomas Löser (beide Grüne). Foto: Anton Launer

Wenn man von der ehemaligen Carolabrücke kommend, Richtung Rosengarten am Elberadweg entlang schlendert, tut sich kurz vor der Albertbrücke eine Weggabelung auf. Linker Hand geht es weiter, am kleinen Pavillon vorbei oder hoch zum Rosa-Luxemburg-Platz. Geradeaus wird der Asphalt merklich rauer und der Weg endet in einer Sackgasse. Entstanden ist diese Gabelung im Zuge der Sanierung der Albertbrücke (Neustadt-Geflüster vom 25. März 2014).

Inzwischen ist dieser Weg in der Skater-Szene etabliert. „Wir stören hier keinen“, sagt Tillmann Steglich vom Verein „Dresden rollt“, der sich unter anderem auch schon für den Pumptrack auf dem Alaunplatz und einen Skatepark an der Martha-Fraenkel-Straße eingesetzt hat. Die Lage sei ideal, direkt in der Innenstadt, aber ohne Wohnhäuser in der Umgebung. „Außerdem ist die Straßenbahn auf der Brücke lauter“, ergänzt Stadtbezirksbeirätin Katja Lehmann (Grüne). Sie hat am Montag den Antrag vor Ort gemeinsam mit ihrem Parteifreund, dem Landtagsabgeordneten Thomas Löser, vorgestellt.

Bei genauem Hinsehen lässt sich der Unterschied zwischen rauem und glatten Asphalt erkennen. Foto: Anton Launer
Bei genauem Hinsehen lässt sich der Unterschied zwischen rauem und glatten Asphalt erkennen. Foto: Anton Launer

Einziges Problem: der Asphalt ist zu rau. Was man auf den ersten Blick gar nicht sieht, spüren die Skater*innen sofort. „Daher fordern wir, dass die Stadtverwaltung die Nutzbarkeit der Skatefläche durch Schleifen oder Feinfräsen verbessert“, sagt Lehmann. Zusätzlich soll eine Ortsbegehung mit den zuständigen Fachämtern und den Akteuren vor Ort eine konkrete Lösung erarbeiten. Der Stadtbezirksbeirat erklärt sich bereit, die Maßnahme aus dem Stadtbezirksbudget zu unterstützen.

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Skater seit Jahren ohne eigene Anlage

In der Begründung verweisen die Neustadtgrünen darauf, dass der größte Teil der aktiven Dresdner Skaterszene in der Neustadt lebt – ein angemessenes Angebot für sie gibt es bislang trotzdem nicht. Dabei hatte die Landeshauptstadt selbst schon 2023 im Entwicklungskonzept für Skateanlagen höchste Dringlichkeit attestiert. Bei der Neugestaltung des DREWAG-Grundstücks an der Marta-Fraenkel-Straße und bei der Westerweiterung des Alaunparks seien Skater trotz intensiver Beteiligung nicht berücksichtigt worden. Bis eine feste Anlage im Dresdner Norden tatsächlich steht, dürfte es nach Einschätzung der Antragsteller noch Jahre dauern.

Asphalt schleifen, damit es besser rollt - Foto: Anton Launer
Asphalt schleifen, damit es besser rollt – Foto: Anton Launer

Kostenschätzung: zwischen 5.150 und 7.950 Euro

Gemeinsam mit „Dresden rollt e.V.“ haben die Antragsteller eine Kostenschätzung erarbeitet. Für das Feinfräsen bzw. Abschleifen der Fläche (3–8 mm) kalkulieren sie 5 bis 7 Euro pro Quadratmeter, was bei 600 Quadratmetern 3.250 bis 4.550 Euro ergibt. Hinzu kommen 800 bis 1.200 Euro für Baustelleneinrichtung und Anfahrt, 600 bis 1.000 Euro fürs Absaugen nach dem Fräsen sowie ein Puffer von 500 bis 1.200 Euro für Randbereiche, einen zweiten Fräsgang oder die Beseitigung losen Materials. Insgesamt liegt die Schätzung damit zwischen rund 5.150 und 7.950 Euro.

8 Kommentare

  1. „Daher fordern wir, dass die Stadtverwaltung die Nutzbarkeit der Skatefläche durch Schleifen oder Feinfräsen verbessert“…

    Gegen Skaten und Freizeitspaß hat niemand etwas, aber das sofortige „Fordern“ auf Kosten der Steuerzahler hinterlässt einen faden Beigeschmack. Wir reden hier von einer überschaubaren Summe von höchstens 7.950 Euro. Eine lebendige Szene sollte in der Lage sein, diesen Betrag zügig über Crowdfunding selbst zu organisieren. Das würde nicht nur echtes Engagement und Eigeninitiative der Jugend beweisen, sondern auch zeigen, wie groß der Rückhalt für das Projekt wirklich ist.
    Muss man sich wirklich alles (Glättung des Asphalts!) von der Allgemeinheit finanzieren lassen?

  2. Hallo GoTo31: Nicht, dass es hier zum Missverständnis kommt. Das fordern nicht die Skater, sondern die Stadtbezirksbeiräte und sie schlagen sogleich vor, das aus dem Budget des Stadtbezirks zu finanzieren.

    Ja, Deine Frage ist berechtigt. Stellst Du die auch bei jedem durch die Allgemeinheit finanzierten Sportplatz, jedem Kulturprojekt? Wo setzt Du die Grenzen?

    Soweit ich weiß, hat „Dresden rollt“ mit ganz viel Eigenleistung und einer Spendenkampagne eine Skater-Halle aufgebaut, für den Bereich der Albertbrücke haben sie die mobilen Elemente gebaut, sie kümmern sich regelmäßig um Ordnung am Platz. Zählt das für Dich als Beweis für echtes Engagement.

  3. @GoTo31
    Darf ich Sie auf folgende Textstelle hinweisen? „Dabei hatte die Landeshauptstadt selbst schon 2023 im Entwicklungskonzept für Skateanlagen höchste Dringlichkeit attestiert.“
    Von „sofortigem“ Fordern kann somit nicht wirklich die Rede sein, denke ich. Und wenn man seit x Jahren vertröstet wird, kann der Ton vielleicht auch mal etwas schärfer werden.
    Die Idee, die jungen Leute selber zur Kasse zu bitten, halte ich für, sagen wir es höflich, suboptimal. Leider zeigt sie nur zu genau, welchen Stellenwert die Belange von Jugendlichen in der Stadt haben…

  4. ich kann das ja verstehen, aber wo fängt man an wo hört man auf. am Ende möchte jeder irgendwo etwas geglättet haben. ich finde es durchaus gut, das sie sich an der frischen Luft bewegen. Aber einfach ab und an mit den Gegebenheiten zufrieden geben. ich fange gar nicht erst an, wo und auf was ich zu DDR Zeiten gefahren bin

  5. @GoTo31

    seit Ewigkeiten kosten die Begleiterscheinungen von sogenannter Dynamo D. „Fankultur“ unüberschaubare Summen, wie wärs denn in diesem Bereich mit crowdfunding?

  6. Bin sonst kein Fan von den gefühlt ständigen Crowdfunding-Aktionen, aber hier wäre es eine gute Sache. Weil der benötigte Betrag ist überschaubar und die Damen und Herren Politiker können sich dann kümmern, dass zeitnah die Umsetzung erfolgt, wenn es schon von den Bürgern finanziert ist :)

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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