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Wird die Putzi-Villa abgerissen?

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

Es sieht dramatisch aus. Das Dach ist weg, und vom Obergeschoss stehen nur noch die Außenmauern. Wird die denkmalgeschützte Putzi-Villa jetzt abgerissen? Stadtverwaltung gibt Entwarnung: Teile sollen wieder aufgebaut werden.

Wird die Putzi-Villa komplett abgerissen? Dach- und Obergeschoss wurden schon abgetragen. Foto: Anton Launer
Wird die Putzi-Villa komplett abgerissen? Dach- und Obergeschoss wurden schon abgetragen. Foto: Anton Launer

Am heutigen Vormittag waren Arbeiter mit Bagger und Leiterkorb an der Villa im Einsatz. Unklar war zunächst, ob das Dach von selbst eingestürzt ist oder gezielt abgetragen wurde. Auch ob es sich um Abriss- oder Sicherungsarbeiten handelt, blieb offen. Eine Anfrage beim Bauherren, der Dental-Kosmetik GmbH & Co. Grundstücksgesellschaft KG aus München, bleibt bislang unbeantwortet.

Am Nachmittag antwortete die Stadtverwaltung auf eine Anfrage durch das Neustadt-Geflüster: „Dem Amt für Kultur und Denkmalschutz und dem Bauaufsichtsamt ist bekannt, dass es einen Teilabriss der Villa Königsbrücker Straße 12 gibt. Dies ist ein Ergebnis mehrerer Gesprächsrunden mit mehreren Ämtern der Stadt und dem Eigentümer/Bauherrn.“ Insbesondere im Blick sei dabei, neben dem größtmöglichen Erhalt von Denkmalsubstanz die rechtzeitige Herstellung gesicherter Zustände, wenn im Herbst der Ausbau der Königsbrücker Straße beginnt, z.T. unmittelbar an das Gebäude angrenzend. Es gebe derzeit kontinuierliche Vorortkontrollen des Amtes für Kultur und Denkmalschutz.

Die abgerissenen Teile des Hauses sollen wieder aufgebaut werden, so das Amt.

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Laut dem Denkmaldokument wurde die sogenannte Putzi-Villa zwischen 1830 und 1833 als Teil der klassizistischen Stadterweiterung Dresdens nach Schleifung der Festungsanlagen errichtet. Sie wurde von Adeligen, Militärangehörigen, Privatiers und höheren Beamten bewohnt und nach 1917 in die Leo-Werke integriert.

Das Unternehmen von Ottomar Heinsius von Mayenburg fertigte auf dem Produktionsareal hinter den Putzi-Villen Mundhygiene-Artikel. Dazu gehörte auch die damals weltbekannte Tubenzahnpasta „Chlorodont“. Seit den 1960er Jahren wird hinter dem Wohnhaus die namensgebende Kinderzahnpasta „Putzi“ produziert. Daher tragen die Villen heute ihren Namen.

Vom Denkmalamt werden die drei Villen als bau- und stadtentwicklungsgeschichtlich bedeutend eingestuft. Das vollständige Denkmaldokument gibt es als PDF zum Herunterladen auf sachsen.de.

Bagger im Einsatz an der Putzi-Villa - Foto: Anton Launer
Bagger im Einsatz an der Putzi-Villa – Foto: Anton Launer

Vor sechseinhalb Jahren, im Januar 2020, hatte die Gruppe „Wir besetzen Dresden“ die drei Villen in den Hausnummern 12 bis 16 besetzt (Neustadt-Geflüster vom 21. Januar 2020). Die überwiegend jungen Leute wollten seinerzeit auf den Wohnungsnotstand und den jahrzehntelangen Leerstand der Häuser aufmerksam machen. Die Polizei räumte die Häuser. Gegen einen Teil der Besetzer*innen gab es noch im Jahr 2020 Prozesse, die Angeklagten wurden überwiegend freigesprochen oder zu sehr milden Strafen verurteilt (Neustadt-Geflüster vom 28. August 2020).

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Putzi-Villa an der Königsbrücker Straße am Montagnachmittag - Foto: Gero
Putzi-Villa an der Königsbrücker Straße am Montagnachmittag – Foto: Gero

Der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (Grüne) hatte Ende 2024 bei der Landesregierung zum Zustand der Villen eine Kleine Anfrage gestellt und im Januar 2025 eine Antwort bekommen. Darin heißt es unter anderem: „Alle drei Gebäude erscheinen dringend sanierungsbedürftig. (…) Die Baugenehmigung für die Villa Königsbrücker Straße 12 wurde mit der Bedingung erteilt, dass vor Baubeginn eine Sicherung und Befunduntersuchung des denkmalgeschützten Treppenhauses der Villa zu erfolgen hat. Eine Sicherung des denkmalgeschützten Treppenhauses der Villa Königsbrücker Straße 12 wurde bis Juni 2024 vorgenommen.“ Löser fordert: „Die Stadt sollte dringend darauf achten, dass aus dieser Sicherung kein Abriss wird. Es war zugesagt, dass die Villen saniert werden. Es ist eine Riesensauerei, dass die Villa durch den Besitzer so lange dem Verfall preisgegeben wurde, bis er jetzt eine „Notsicherung“ vornimmt, die einem Abriss gleichkommt.“

Auch Stadtrat Martin Schulte-Wissermann hat von dem Abriss erfahren. Gegenüber Neustadt-Geflüster sagte er: „Der Stadtrat hat glasklar formuliert, dass die Villen zu erhalten und zumindest teilweise einer öffentlichen Nutzung zuzuführen sind. Ich hoffe, dass das Wegbrechen des Daches Teil einer Sanierung ist. Sollte die Villa abgerissen werden, muss sie originalgetreu wiederaufgebaut werden.“ (Stadtratsentscheid im Juli 2021)

Die Arbeiten gingen im Tagesverlauf weiter voran. Während am Morgen noch ein Teil des Daches stand, ist es das jetzt komplett zurückgebaut.

Putzi-Villa ohne Oberstübchen am Vormittag - Foto: Anton Launer
Putzi-Villa ohne Oberstübchen am Vormittag – Foto: Anton Launer

Ein Kommentar

  1. Das sieht ja einigermaßen brachial aus.

    Selbst wenn der Denkmalschutz involviert ist, ist das alles andere als minimalinvasiv.

    Ein Obergeschoss an einem Tag zu entfernen, ist sicherlich kein Problem. Dass dabei aber genau geschaut wird, was man im Detail mit abreißt, das halte ich für schwer machbar.

    Insbesondere der „größtmöglichen Erhalt von Denkmalsubstanz“ ist mit dieser Abrissmethode nicht wirklich umsetzbar. Im Grunde braucht man da einige Mauerteile nur scharf ansehen und dann fallen die schon zusammen.

    Im übrigen ist das Gebäude inzwischen in den letzten Jahren so stark der Natur preis gegeben, dass ein Aufbau in jedem Fall sehr aufwendig wird. Dass ein Eigentümer, dem das Gebäude offensichtlich nicht viel bedeutet, dann lieber mehr als weniger abreißt – der Zusammenhang lässt sich zumindest erahnen.

    Hätte man regelmäßig instandgesetzt, wäre es sicher günstiger geworden.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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