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Von alten Zeiten und neuer Musik

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

Ein schmales Ziegenbärtchen ziert das Gesicht des hageren Typen. Ein silberner Ring blitzt in seiner Augenbraue. Er beugt sich zu der Kleinen mit den langen braunen Haaren und flüstert so laut, dass ich problemlos mithören kann: „Der Sound ist total fett hier.“ Wo bin ich gelandet? Es ist zwei Uhr morgens. Ein Techno-Schuppen? Die Fenster sind mit dicken Leinentüchern verhängt. Dia-Projektoren werfen verschwommene Bilder an die Wände, kalter Rauch kriecht durch die Räume. Elektronische Klänge umhüllen mich. Doch ein Blick zum Tresen macht alles klar: Hier ist die Scheune.

Das Foyer vor dem großen Saal. Foto: Archiv Anton Launer
Das Foyer vor dem großen Saal. Foto: Archiv Anton Launer

Das Personal ist das gleiche wie immer, die Drinks ebenfalls. Nur das Publikum hat sich verändert. Und wie. Vor allem ist es erstaunlich jung. In den Musikklub auf der Alaunstraße ist ein neues Lebensgefühl eingezogen.

Als das Etablissement noch Jugendklub Martin Andersen Nexø hieß, standen Tanztee und Lipsi auf dem Programm. Später folgten Jazz und Blues. Mit der Wende kamen Punkrock und die wilden Jahre. Jugendliche mit Lederjacken und bunt gefärbten Haaren betranken sich öffentlich und kletterten durch die Fenster hinein – des Abenteuers wegen und um den Eintritt zu sparen. Einmal organisierte ein kleiner Trupp sogar eine Leiter, die bis zum Fenster des Damen-WCs reichte. Die Überraschung wartete drinnen: Selbst dort stand jemand und kassierte Eintritt.

Unvergessen bleibt das legendäre Konzert der Toten Hosen. Trotz strengster Geheimhaltung war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Neustadt verbreiten sich Gerüchte schneller als jede offizielle Ankündigung.

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Die Musik an diesem Abend zieht mich schließlich in den Saal. Auf der Bühne steht keine Band, sondern Menschen an Plattenspielern. Insgesamt elf Dresdner DJs legen an diesem Wochenende auf. „Brunch“ heißt das Experiment. Paul, verantwortlich für das Musikprogramm der Scheune, erzählt, dass er mit diesem Format bewusst ein neues Publikum ansprechen möchte. Gleichzeitig sollen hier auch künftig Bands auftreten – ganz klassisch mit Gitarre, Bass und Gesang.

Vielleicht begegnet mir der Typ mit dem Ziegenbärtchen dann wieder.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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