Jahrzehntelang waren ihre Schicksale vergessen. Nun erinnern drei Stolpersteine auf dem Gelände der Diakonissenanstalt Dresden an Helene Grünert, Emma Hartmann und Helene Rost – drei Diakonissen, die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen wurden.

„Man stolpert nicht mit den Füßen, man stolpert mit den Gedanken“, sagte Superintendent Albrecht Nollau während der feierlichen Veranstaltung am 7. Mai. Vor dem künftigen „Treffpunkt Museum“ an der Ecke Bautzner Straße/Wolfsgasse wurden drei Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Helene Grünert, Emma Hartmann und Helene Rost – drei Frauen, die an psychischen Erkrankungen litten und zwischen 1939 und 1941 im NS-Tötungssystem ermordet wurden.
Erst bei Recherchen für das zukünftige Museum der Diakonissenanstalt kamen ihre Geschichten ans Licht. Historikerin Bettina Westfeld stieß in alten Unterlagen auf Hinweise, die sie misstrauisch machten. Weitere Recherchen in Archiven und der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein bestätigten später: Alle drei Schwestern wurden Opfer der NS-„Euthanasie“.

Schwestern versuchten, Menschen zu schützen
Besonders erschütternd: Die Diakonissen hatten zuvor selbst kranke und pflegebedürftige Menschen begleitet und versorgt. Einige Dresdner Schwestern mussten damals miterleben, wie Bewohnerinnen und Bewohner aus Pflegeeinrichtungen von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Dokumente zeigen zudem, dass Schwestern versuchten, Betroffene zu schützen und Angehörige zu warnen.
„Dass drei unserer Schwestern selbst Opfer der NS-Euthanasie geworden sind, hat unsere Gemeinschaft tief betroffen gemacht“, sagte Oberin Esther Selle während der Gedenkveranstaltung. Die Stolpersteine seien ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung und Mahnung.

Bei der Verlegung wurden die Lebensgeschichten der drei Frauen verlesen. Superintendent Albrecht Nollau sprach ein kurzes geistliches Gedenken. Außerdem beteiligten sich Auszubildende der Berufsfachschulen für Pflegeberufe an der Veranstaltung.
Historikerin Bettina Westfeld warnte in ihrem Grußwort davor, den Wert von Menschen nach Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder vermeintlichem Nutzen zu beurteilen. Die nationalsozialistischen Krankenmorde seien Ausdruck genau dieses Denkens gewesen.

Die Lebensgeschichten der drei Diakonissen
Helene Rost
Helene Rost wurde 1891 in Cossengrün geboren. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als Krankenschwester unter anderem in Chemnitz und Gera-Ernsee. Ab 1930 verschlechterte sich ihr psychischer Gesundheitszustand zunehmend. 1941 starb sie in der Landesheil- und Pflegeanstalt Untergöltzsch an den Folgen von Mangelernährung und Medikamenten. Sie wurde 50 Jahre alt.
Emma Hartmann
Emma Hartmann kam 1887 in Dahlen zur Welt und arbeitete in Krankenhäusern sowie in der Gemeindepflege. Wegen einer schweren psychischen Erkrankung wurde sie 1935 nach Pirna-Sonnenstein gebracht. Dort ermordeten die Nationalsozialisten sie am 3. September 1940 im Rahmen der „Aktion T4“. Sie wurde 52 Jahre alt.
Helene Grünert
Helene Grünert wurde 1877 bei Flöha geboren und arbeitete viele Jahre in der Gemeindepflege, unter anderem in Bockwa bei Zwickau. Ende der 1920er Jahre verschlechterte sich ihr psychischer Gesundheitszustand. Sie wurde mehrfach in Einrichtungen eingewiesen. 1939 starb sie in der Landesheil- und Pflegeanstalt Hochweitzschen an den Folgen gezielter Unterernährung. Sie wurde 62 Jahre alt.




















Aufarbeitung, Gedenken und in heutigen Zeiten zu Informieren ist wichtig und die Stolpersteine sind hierfür perfekte Mahnmale, da sie uns auch im Alltag immer wieder vergessenes oder verdrängtes vorhalten. Vielen Dank für diesen Beitrag hier – es ist schön wenn neben Kinonews, Unfällen und mangelnden Parkplätzen auch über sowas berichtet wird.