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Aus den Nacht(sch)lichtern werden Kiezlichter

Mit Beginn der Freiluftsaison sind in der Äußeren Neustadt wieder Dialogteams unterwegs. Sie treten nun unter dem Namen „Kiezlichter“ auf, zuvor hießen sie „Nacht(sch)lichter“. Gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt stellte Stadtbezirksamtsleiter André Barth das Konzept für die neue Saison vor.

Fährt jetzt Dreirad:  Koordinator Konfliktmanagement Alessandro Finke. Foto: Florian Varga
Fährt jetzt Dreirad: Koordinator Konfliktmanagement Alessandro Finke. Foto: Florian Varga

Mit steigenden Temperaturen zieht es wieder mehr Menschen in den Alaunpark und auf die Straßen des Viertels – entsprechend wächst auch der Bedarf an Präsenz vor Ort. Die Kiezlichter sind Teil eines Ansatzes, der auf Prävention, konkrete Hilfe und Zusammenarbeit setzt. Neben Behörden sind auch Gastronomie und Clubs eingebunden.

Im vergangenen Jahr führten die Teams mehr als 1.200 Gespräche im öffentlichen Raum und nahmen zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung auf. In über 60 Fällen unterstützten sie Betroffene von Gewalt. Zudem halfen sie mehrfach in akuten Notsituationen und alarmierten Rettungsdienste.

Aus den Nacht(sch)lichtern sind jetzt Kiezlichter geworden. Foto: Florian Varga
Aus den Nacht(sch)lichtern sind jetzt Kiezlichter geworden. Foto: Florian Varga

Das Team umfasst aktuell 22 Personen. Viele sind im Viertel verwurzelt, einige bereits seit mehreren Jahren dabei. Sechs Neue sind in dieser Saison dazugekommen. Regelmäßige Schulungen – etwa zu Deeskalation, Awareness und Erster Hilfe – gehören fest dazu, ebenso der Umgang mit Drogennotfällen.

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Lastenrad als mobile Anlaufstelle

Neu ist in diesem Jahr ein rotes Lastenrad, das freitags und sonnabends mit im Einsatz ist. Es dient als mobile Anlaufstelle und ist unter anderem mit Infomaterial, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Wasser und Snacks ausgestattet. Finanziert wurde die Aufarbeitung mit Mitteln aus dem Stadtbezirksbudget, bereitgestellt von der Wir-AG.

Die Zentrale befindet sich inzwischen am Martin-Luther-Platz, nachdem das Blechschloss vor der Scheune abgebaut wurde. Von hier aus starten die Teams in ihre Einsätze. Gleichzeitig bietet der Standort einen Rückzugsort – besonders für Menschen, die von Gewalt betroffen sind. Erreichbar sind die Kiezlichter auch per WhatsApp unter 0152 09089395.

Gemeinsam für Ordnung und Sicherheit: Revierleiter Jürgen Kunath, Kiezlicht Alessandro Finke, Stadtbezirksamtsleiter André Barth und Mirko Kappelt vom Ordnungsamt. Foto: Florian Varga
Gemeinsam für Ordnung und Sicherheit: Revierleiter Jürgen Kunath, Kiezlicht Alessandro Finke, Stadtbezirksamtsleiter André Barth und Mirko Kappelt vom Ordnungsamt. Foto: Florian Varga

Das Projekt ist für 2026 im städtischen Haushalt eingeplant, perspektivisch soll es weitergeführt werden. Stadtbezirksamtsleiter André Barth sieht darin eine sinnvolle Investition: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Angebot wirkt. Es trägt zu einem respektvollen Miteinander bei und hilft, Konflikte frühzeitig zu entschärfen.“

Resonanz auch über Dresden hinaus

Das Konzept stößt inzwischen auch überregional auf Interesse. Vertreter der Kiezlichter waren unter anderem beim Landespräventionstag und bei der Fachkonferenz „Stadt nach 8“ dabei. Koordinator Alessandro Finke beschreibt den Ansatz so: „Wir sind nah dran am Geschehen im Viertel. Durch Präsenz und direkte Ansprache lassen sich viele Situationen früh entschärfen.“

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Auch die Umbenennung erklärt er: Man sehe sich nicht als klassische Streitschlichter, die in akute Konflikte hineingehen, sondern arbeite vor allem vorbeugend. Der alte Name habe das nicht gut abgebildet. „Viele im Team konnten sich damit nicht mehr identifizieren. Deshalb haben wir gemeinsam einen neuen Namen gesucht.“

Zum Saisonstart äußern sich auch die Landtagsabgeordnete Sophie Koch und Stadträtin Julia Hartl (beide SPD). Koch betont die Bedeutung für die Neustadt: „Die Teams tragen spürbar dazu bei, Konflikte zu entschärfen – etwa rund um die Schiefe Ecke.“ Besonders die neue Zentrale sei ein Gewinn.

Hartl sieht in dem Projekt mehr als ein Zusatzangebot: „Das ist kein ‚nice to have‘, sondern ein wichtiger Baustein für das Viertel.“ Wer wissen wolle, wie Prävention konkret aussieht, müsse nur einen Blick in die Neustadt werfen.

Finanzierung gesichert – mit Abstrichen

Erstmals wird das Projekt vollständig aus dem städtischen Haushalt finanziert. Mittel des Freistaats Sachsen in Höhe von rund 8.000 Euro entfallen. Gleichzeitig wurde das Budget gekürzt: Nun steht eine Summe von 170.000 Euro für Personal- und Sachkosten zur Verfügung. Laut Barth sollte das für die kommende Saison ausreichen.

9 Kommentare

  1. Mein erster Gedanke „hier wird ein Batzen Geld ausgegeben, weil Menschen nicht in der Lage sind sich rücksichtsvoll und sozial zu verhalten.“
    Vor diesem Hintergrund verstehe ich es ehrlich gesagt auch nicht, dass Anton hartnäckig den Begriff „Assieck“ ablehnt. Wer sich so verhält ist einfach „unsozial“.
    Mein zweiter Gedanke war dann aber „welche Lösung hätte ich?“.
    Da fielen mir nur Lösungen ein, die irgendwie „kleinbürgerlich“ drastisch scheinen.
    Und dann noch die Argumentation der einzelnen Parteien (Piraten, Die Grünen, Die Partei).
    Also hinterlässt das Ganze bei mir Hilf- und Ratlosigkeit.

  2. Hallo Nikkibude, lass mal Deine kleinbürgerlichen Lösungsideen hören.

    Ich nenne die Ecke (nicht mehr) so, weil ich hoffe, wenn weniger Menschen den Begriff benutzen, sich dann auch weniger Menschen entsprechend benehmen, außerdem, als ich selbst dort ab und zu gestanden habe, sagten die Leute noch Meinel-Eck dazu.

    Kürzlich hörte ich von einem studentischen Stadtführer, der über die Ecke gesagt haben soll: „Früher war hier mal was los, jetzt ist es tot.“

    Bzgl. des Batzen Geldes: Die Polizei schätzt ein, dass die Einsätze der Nachtschlichter auch dazu beigetragen haben, dass nicht mehr so viele Polizisten die Ecke bewachen müssen. Die Einsatzzahlen sind in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen. Und das ist, im Vergleich zu den 170.000 Euro, wirklich ein Batzen Geld.

  3. Zum Thema ‚früher war hier mal was los, …‘, es scheint eine neue Ecke zum Rumstehen, laut sprechen und natürlich Konsumieren zu geben, Alaunstraße / Ecke Jordanstraße, gut gefüllt in den letzten Tagen… Stelle mir gerade das präventive Lastenrad mit den Menschen vor, die Gespräche anbieten, ganz wunderbar…
    Die gute Absicht unbestritten, klingt das Ganze wie eine ‚Gutenachtgeschichte‘ …, aber wenn’s nun auch überregional für Furore sorgt … , Spaß muss sein.

  4. @Anton – hier „meine kleinbürgerlichen Lösungen“
    Verbot des Verkaufs alkoholischer Getränke sowie bei wiederholter Ruhestörung bzw. Verstoß gegen die StVo  Ordnungsgeld und Platzverweis.
    Verlagerung dieses Hotspots auf die Fläche, auf der freitags der Wochenmarkt zwischen Arnholdbad und Cockerwiese stattfindet.
    Ein temporärer Alkoholverkauf wird sich dort sicher finden und Toiletten sind sogar schon vorhanden.
    Auch wenn die Kosten durch die Entlastung von „Freund und Helfer“ mit dem Einsatz der Nachtschlichter gesunken sind, bleibt es dabei, dass 170 000 € ausgegeben werden, um weitestgehend strafmündige Menschen auf die Regeln des menschlichen Zusammenlebens hinzuweisen.
    BTW: in der letzten Nacht gegen 1:25 Uhr zog eine Horde lärmender Bürger durch die „Böhmische“ und rannte nach dem Zünden eine Blitzknallers (unter meinem Schlafzimmerfenster) kichernd davon.

  5. Das mit dem nächtlichen Böllern ist ne echt bescheuerte Entwicklung. Meiner Beobachtung nach findet das insb. durch gelangweilte Jugendliche statt. Ob das besser wird wenn das Viertel die Bordsteine hochklappt? Irgendwann müssen die Kiddies dann ja doch wieder nach hause und langweilen sich auf dem Heimweg.

    Ich finde das Angebot der Kiezlichter eigentlich ganz gut und würde lieber dafür sorgen, dass solche Angebote besser ausgestattet werden. Die Polizei sollte aufgrund ihrer problematischen Struktur und Ausbildung stets die letzte Anlaufstelle beim Umgang mit Menschen sein.

  6. @Nikkibude: Keine Ahnung, ob Ihre Vorschläge kleinbürgerlich sind. Ich halte sie eher für etwas weltfremd, besonders den Vorschlag, einen Szenetreffpunkt aus der Szene zu verlegen. (Warum nicht gleich in die Flutrinne, die wäre zumindest noch auf der gleichen Elbseite?!)
    Es passt mMn. auch nicht wirklich, sich über den eingeplanten Betrag zu beklagen, wenn die Lösungsvorschläge – meinem Verständnis nach – dann deutlich mehr kosten werden: Konflikte zu vermeiden ist in der Regel sehr viel sinnvoller (und auch kostengünstiger), als Konflikte zu eskalieren und auszutragen. Was glauben Sie denn, was passiert, wenn die Polizei anfängt, am Schiefen Eck Bierflaschen einzusammeln?
    (Klar wäre die Welt eine andere, wenn jede:r 15jährige von sich aus genauso rücksichtsvoll wäre wie Menschen mit, keine Ahnung, viermal so viel Lebenserfahrung. Ich wage mal die Prognose: Wird so schnell nicht geschehen.)

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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