Bei Temperaturen um die 30 Grad und mehr kommt die Nachricht gerade recht: Am Diakonissenkrankenhaus steht seit Kurzem ein neuer Eisautomat. Darin wartet „Eiscreme Plus“ – hergestellt in Dresden-Weißig.

Inklusive Eisproduktion in Dresden-Weißig
Die Weißiger Werkstätten, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM), erweitern ihr Angebot um eine eigene Eisproduktion. Am Standort Dresden-Weißig stellen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Speiseeis her, das inzwischen nicht nur in Cafés, sondern auch an Eisautomaten in Dresden erhältlich ist.
Das „Plus“ im Namen verweist auf die Implus Dresden gGmbH, eine Tochtergesellschaft der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden e.V. Gleichzeitig steht es für das Konzept hinter dem Projekt: Inklusion, regionale Herstellung und gemeinschaftliches Arbeiten.
Die Idee entstand in der Großküche der Weißiger Werkstätten. Küchenleiter Siegfried Heß entwickelte gemeinsam mit seinem Team verschiedene Rezepturen und schließlich ein Sortiment mit 16 Sorten. „Wir wollten ein Produkt schaffen, das zu uns passt und das alle genießen können“, sagt Heß. „Mit der Eiscreme verbinden wir Genuss, Handarbeit und Teilhabe.“
Im Mittelpunkt steht dabei der inklusive Produktionsprozess. Die Beschäftigten der Werkstätten sind in alle Arbeitsschritte eingebunden – vom Abwiegen der Zutaten über die Herstellung der Eisbasis bis hin zum Abfüllen, Verpacken und Etikettieren der Becher. Auf künstliche Aromen und Farbstoffe wird bewusst verzichtet. Die Sorbets enthalten einen Fruchtanteil von rund 40 Prozent. Produziert wird ausschließlich in Dresden-Weißig.

16 Sorten
Im Sortiment finden sich vegane Sorbets in den Geschmacksrichtungen Zitrone, Mango, Aprikose, Erdbeere und Heidelbeere. Dazu kommen Milcheissorten wie Natur, Minze, Pistazie, Cappuccino, Karamell, Haselnuss, Stracciatella und Schokokeks sowie die Klassiker Vanille und Schokolade. Auch Joghurteis gehört zum Angebot.
Wer probieren möchte, wird bereits in der Neustadt fündig: Die „Eiscreme PLUS“ gibt es derzeit im Lloyd’s Café & Bar sowie im Café Blanc im Hotel am Schwanenhaus.
Außerdem stehen die Eisbecher in Automaten bereit. Der erste wurde auf dem Gelände der Diakonissenanstalt Dresden an der Bautzner Straße 66 aufgestellt – direkt neben der Hostienbäckerei. In den kommenden Tagen soll ein weiterer Automat auf dem Implus-Wohncampus in Radebeul an der Heinrich-Zille-Straße 15 folgen. Auch im CAP-Markt Dresden soll das Eis demnächst in den Tiefkühltruhen liegen.
Die Eisbecher gibt es in zwei Größen: 120 Milliliter kosten ab 2,90 Euro und entsprechen etwa anderthalb Kugeln Eis, die 180-Milliliter-Becher kosten ab 3,90 Euro und entsprechen ungefähr zweieinhalb Kugeln. Über QR-Codes auf den Bechern gibt es außerdem Einblicke in die inklusive Eisproduktion.
Cafeterien und Kantinen können die Eisbecher direkt über die Weißiger Werkstätten beziehen.
- Weitere Informationen stehen online unter implus-dresden.de/eiscreme-plus.





















Na lecker. Menschen in Behindertenwerkstätten bekommen ca. 220 Euro pro Monat.
Was es daran noch so zu kritisieren gibt:
https://jobinklusive.org/werkstaetten-fuer-behinderte-menschen/presse/pro-contra-wfbm/
Muss jeder selbst mit sich ausmachen ob er das unterstützen möchte, ich werde es nicht!
Wonach schmeckt denn Milcheis der Sorte Natur?
Hallo Pieschener, eine aus meiner Sicht etwas ausgewogenere Pro-Contra-Darstellung gibts in der taz. Ich denke, solange die Kosten für große Unternehmen nur 815 Euro oder für kleine Unternehmen 155 Euro pro unbesetztem Arbeitsplatz betragen (Quelle), werden vermutlich so schnell nicht allzuviele Stellen für behinderte Menschen entstehen. Ob die dann tatsächlich besser für die Betroffenen geeignet sind, steht nochmal auf einem anderen Blatt.
Implus betreibt ja nicht nur die Werkstätten, im Lloyds oder dem Hotel am Schwanenhaus werden beeinträchtigte Menschen in alltägliche Arbeitsroutinen integriert. Bezüglich des niedrigen Entgelts setzt sich Implus für eine Reform ein (das Thema hatten wir schon mal). Aber dafür müssten dann die entsprechenden Förderungen angepasst werden.
Ein veganes Milcheis hätte ich probiert. Kommt vielleicht noch…
Haben schon probiert und es war lecker. Leider war Schoko-Keks schnell ausverkauft. Wenn der Pieschener es nicht probiert, bleibt mehr für andere übrig.
Danke für die Antwort Anton.
Gabs aufm veganen Sommermarkt auf Sojamilchbasis.
Natürlich kann und sollte man über die Bezahlung in WfbM diskutieren – aber daraus abzuleiten, man müsse deshalb ein inklusives Projekt boykottieren, erscheint mir merkwürdig. Vielleicht wäre es zielführender, das System zu verbessern, statt diejenigen abzustrafen, die innerhalb dieses Systems Teilhabe tatsächlich ermöglichen. Solange der erste Arbeitsmarkt nicht bereit oder in der Lage ist, allen Menschen mit Behinderung einen geeigneten Arbeitsplatz zu bieten, erscheinen mir Werkstätten eher als Ausdruck eines unvollkommenen Systems als dessen Ursache. Soll es nun die Lösung sein, Werkstätten oder ähnliche Einrichtungen abzuschaffen? Damit bleibt aber unbeantwortet: Wer beschäftigt die Menschen stattdessen? Dieselben Unternehmen, die lieber die Ausgleichsabgabe zahlen als inklusive Arbeitsplätze zu schaffen? Da esse ich lieber ein regional produziertes Eis, als mich an symbolischen Boykotten zu beteiligen.
@Monsieur: Danke für diesen Beitrag. Wie so oft ist die gesamte Materie zu komplex für ein klares Gut-Böse-Schema. Muss man sich halt zumindest grob n My mit dem Thema beschäftigt haben. Einfach kaut draufzuhauen ist aber natürlich immer einfacher. Leider.
Also findet ihr es nicht komisch, dass sie marktübliche Preise aufrufen (das Eis ist preislich ungefähr bei ben&jerry’s, das lloyds hat normale Café-Preise) Was passiert denn mit dem Gewinn, wenn er nicht in die Löhne fließt? Oder anders: man könnte durchaus ein „normales“ Unternehmen mit normalen Löhnen gründen – und die selben Leute dort einstellen wie bisher.
Das Eis auf dem Sommermarkt war sehr lecker. Darf daher gern überall zur Verfügung stehen :)
Lieber Pieschener, das Thema (ein Blick hinter die Kulissen der Werkstatt in Pieschen) steht bei mir gewissermaßen auf dem Zettel, dann aber für unser Schwester-Magazin. Nach meinem laienhaften Verständnis ist es so, dass der Betreuungsaufwand pro Mitarbeiter halt deutlich höher liegt. Das kriegst Du in einem „normalen“ Unternehmen in der Art gar nicht abgebildet. Die Implus als Betreiber ist ne gemeinnützige GmbH, die per se keinen Gewinn machen darf.
@Pieschener
Der Gedanke „gründet doch einfach ein normales Unternehmen und zahlt normale Löhne“ klingt bestechend einfach. Er scheitert allerdings genau an dem Punkt, an dem die Realität beginnt. Diese Werkstätten sind keine Billiglohnunternehmen. Sie beschäftigen Menschen, die aufgrund Art oder Schwere ihrer Behinderung häufig nur mit erheblicher Unterstützung oder derzeit gar nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Das bedeutet mehr Anleitung, mehr Betreuung, mehr individuelle Förderung, mehr Ausfallzeiten und oft eine geringere Produktivität. All das kostet Geld.
Der Vergleich mit Ben & Jerry’s oder einem Cafépreis greift deshalb zu kurz. Der Verkaufspreis eines Eisbechers sagt nichts darüber aus, welche Kostenstruktur dahintersteht. Personal, Energie, Rohstoffe, Hygienevorschriften, Maschinen, Miete, Verwaltung und eben der zusätzliche Betreuungsaufwand verschwinden ja nicht, nur weil das Produkt verkauft wird. Und wie Anton bereits schrieb, handelt es sich hier um eine gemeinnützige GmbH – keine Gelddruckmaschine, die Gewinne an Gesellschafter ausschüttet.
Im Übrigen ließe sich dieselbe Preislogik auf nahezu jedes Produkt anwenden. Wir könnten für Lebensmittel, Kleidung oder Dienstleistungen deutlich mehr bezahlen, damit höhere Löhne möglich werden. Die Erfahrung zeigt allerdings: Sobald Preise steigen, wird ebenso laut geklagt, dass sich viele Menschen genau diese Produkte nicht mehr leisten können. So einfach, wie es auf dem Papier aussieht, funktioniert Wirtschaft eben selten. Offenbar ist die Realität komplexer, als der Rechenschieber vermuten lässt.
Dass das Werkstattsystem reformbedürftig ist, bestreiten die wenigsten. Höhere Entgelte, mehr Übergänge auf den ersten Arbeitsmarkt und bessere Förderinstrumente – darüber kann und sollte man reden. Aber ausgerechnet ein inklusives Projekt zu boykottieren, das Menschen Beschäftigung, Qualifizierung und Teilhabe bietet, löst keines dieser Probleme. Es sorgt höchstens dafür, dass weniger Eis verkauft wird.
@Anton
Der taz-Link funzt nicht. Da wolltest du doch hin:
https://taz.de/Pro-und-Contra/!6009437/ oder?
Und was an der Produktion in einer WfbM (und da ist hier in Dresden egal, ob Diakonie, CSW, Cultus, Lebenshilfe o.ä.) – also einem Parallelsystem – inklusiv sein soll, erschließt sich mir nicht ganz (schließlich keine inklusiven „Außenarbeitsplätze“ und das dort Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten, ist ob des gesellschaftlichen Auftrags faktisch falsch). Inklusion bedeutet, die Gesellschaft so zu gestalten, dass alle – gleich ihrer Unterschiede – gleichberechtigt teilhaben können. WfbMs haben vielfältige sinnvolle/-stiftende Funktionen. Inklusion ist da allerdings eher Marketing-Sprech.
Kurz gefragt: Ist eine, einer der kritisierenden Diskutant/innen hier, welcher von dem Thema irgendwie persönlich betroffen ist? Ich glaube nicht, sonst wären derartige Themen, wie Preise oder Lohnzahlung, hier gar kein Thema. Als gesunder Mensch ist es ein Leichtes, mit erhobenen Zeigefinger die Welt eingeschränkter Personen zu diffamieren und vermeintliches Unrecht anzuklagen. Ich spreche aus persönlicher Erfahrung. Mein Bruder arbeitete bis zu seinem Tod in einer Werkstätte der Diakonie. Ihn hat sein finanzieller Lohn nie interessiert. Sein Lohn waren die Gemeinschaft, die Erfolgserlebnisse und der zuverlässige Ablauf in seinem Alltag. Man hätte ihm 2000 Euro zahlen können oder 200, es wäre ihm schnuppe gewesen. Stolz war er auf seine geleistete Arbeit und das zurecht. All dies war aber auch nur möglich, weil die Diakonie den Arbeitsalltag nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet hatte. Und das kostet. Punkt.
@SiebenSechs: Danke!