Wie die Stadtverwaltung heute mitteilt, sollen die Umbau- und Erweiterungsarbeiten an der Scheune im August 2026 abgeschlossen sein. Einer Eröffnung im September sollte dann nichts mehr im Wege stehen.

Ulla Wacker, kulturpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion freut sich: „Endlich kehrt wieder Leben in den ältesten Jugendklub der Stadt ein, der in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum feiert. Was für ein schönes Geschenk für die Neustadt!“ Seit Jahrzehnten sei die Scheune ein zentraler Ort der freien, nichtkommerziellen Kultur in Dresden und darüber hinaus, so Wacker. Die Politikerin steht dem Verein nahe, war von 2019 bis 2025 im Vorstand des Scheune-Vereins, der für die Bespielung des Hauses zuständig ist.
Die Scheune, so Wacker, stehe exemplarisch für kulturelle Selbstorganisation, künstlerische Vielfalt und gesellschaftliche Offenheit. Dabei präge sie das kulturelle Profil der Neustadt maßgeblich und verbinde lokale Szene, Stadtgesellschaft und überregionale Kulturlandschaft.
„Mit dieser Sanierung wird die Bedeutung der Scheune nicht nur bewahrt, sondern auch weiterentwickelt: Sie bleibt ein Ort der kulturellen Innovation und des gesellschaftlichen Miteinanders“, hebt Wacker hervor.
Die Scheune hat in den 75 Jahren ihres Bestehens schon viel erlebt. Vor dem Krieg, also genauer gesagt bis zum Februar 1945 befanden sich auf dem Grundstück Alaunstraße 36 bis 40 drei Häuser eines Turnvereins. Die Äußere Neustadt wurde beim Bombenangriff zwar weitestgehend verschont, aber die Häuser, wie auch die gegenüberliegenden und die an der Ecke zur Louisenstraße wurden zerstört.
1951 wurde der Jugendklub errichtet. Ursprünglich, so die Legende, sollte er nach dem damaligen spitzbärtigen Staats- und Volkslenker Walter Ulbricht benannt werden. Der aber soll gesagt haben: „Dieser Scheune gebe ich meinen Namen nicht.“ Belegen lässt sich die Legende nicht mehr, klingt aber gut, denn der dann am 21. Dezember 1951 eingeführte Name „Jugendheim Martin Andersen Nexö“ hat sich nie etabliert.

Gab es anfangs Nähzirkel und Fotokurse, zog bald schon die Musike ein. In den 1960ern soll hier der Lipsi1 getanzt worden sein. Kapellen schmetterten damals schon live dazu, auch Hochzeiten gab es hier. In den 1980ern veränderte sich mit dem Viertel auch die Scheune. Sogenannte Blueser, Hirschbeutelträger und Langhaarige wurden des Öfteren gesehen. Auch die zarten Subkulturpflänzchen HipHop und Punkrock schlugen unter Programm-Direktor Gunther Neustadt erste Wurzeln.
Aber die Scheune hatte nicht nur Freunde. Ein benachbarter Hausbesitzer hat sogar mal Unterschriften für einen Abriss gesammelt und in den frühen 90ern gab es gelegentlich auch ein paar Neonazi-Deppen-Überfälle.
Die Scheune hat das alles überstanden und sich mit der Neustadt verändert, das musikalische Angebot wurde in den vergangenen Jahren immer breiter. HipHop, Techno, Theater, Poetry Slams, Lesungen, Kino, Filzstiftwettbewerbe, Podium-Diskussionen. Jeder Abend ist anders. Darüber hinaus hat das Café an Fleisch verloren.

2022 begann dann der Umbau des Kulturhauses. 2024 wurde Richtfest gefeiert. Und nun, nachdem die Gerüste gefallen sind, sieht das alterwürdige Haus auf einmal ganz anders aus. Dicker ist sie geworden. In der Länge neun Meter und in der Breite auf beiden Seiten jeweils drei Meter. Was das für die Innenräume bedeutet, muss eine Begehung zeigen.
Für den Neubau wurde nun viel abgerissen. Im Wesentlichen ist nur ein Teil des Erdgeschosses rund um das alte Scheune-Café, ein Teil des ersten Obergeschosses und die Wendeltreppe ins zweite Geschoss erhalten geblieben. Rundherum steht nun massiver Beton. Der große Saal ist ein ganzes Stück größer geworden. Künftig können hier 550 Menschen zu Konzerten kommen. Früher war die Scheune mit 450 Leuten voll. Dazu gibt es im Erdgeschoss einen zweiten Saal, für nochmal 200 Besuchende. Außerdem gibt es nun einen Aufzug.

Wie ein Schiff liegt sie da, bereit wieder durch die stürmischen Neustadt-Wogen zu ziehen. Ein bisschen Stolz klang mit in der knappen Pressemitteilung der Stadt von heute: „Das Projekt setzt auf Photovoltaik, Fassadenbegrünung sowie eine multifunktionale Hofgestaltung. Außerdem ist es Pilotvorhaben für die BIM-Methode (Building Information Modeling – damit setzt die Stadt auf digitale Gebäudeinformationen, um zu bauen und das Bauwerk über den gesamten Lebenszyklus effizient zu verwalten).
- Der Scheune-Verein hat einen Telegram-Kanal mit spannenden Bildern vom Umbau eingerichtet.
1 Der Lipsi war ein 1959 in der DDR eingeführter Modetanz im 6/4-Takt, der als sozialistische Alternative zum westlichen Rock ’n’ Roll gedacht war. Er wurde von dem Leipziger Ehepaar Seifert entwickelt, um den Gesellschaftstanz zu modernisieren. Der staatlich geförderte Tanz fand bei der Jugend jedoch kaum Anklang und verschwand nach wenigen Jahren.



















